Todesfahrt auf Weihnachtsmarkt
Todesfahrer liest im Prozess stundenlang Beweisanträge vor

Am 34. Verhandlungstag stellte der Angeklagte lange Beweisanträge. Foto: Peter Gercke/dpa
Am 34. Verhandlungstag stellte der Angeklagte lange Beweisanträge. Foto
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Der Prozess zum Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt geht in die Schlussphase. Der Angeklagte verliest lange, handgeschriebene Beweisanträge.

Im Prozess zum Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt sind eine Reihe von Beweisanträgen gestellt worden - stundenlang auch vom Angeklagten. Anwälte der Nebenklage beantragten zunächst, dass noch mehrere aktuelle Arzt- und Behandlungsberichte Betroffener verlesen werden, um die entstandenen Schädigungen deutlich zu machen. Die Verteidiger stellten Anträge unter anderem mit Blick auf das Tatfahrzeug und die Beiziehung des Abschlussberichts des Untersuchungsausschusses des Landtags, der sich unter anderem mit Mängeln bei der Sicherung des Weihnachtsmarkts befasst hat.

Angeklagter holt bei neuen Beweisanträgen weit aus

Auch der Angeklagte hatte zum 34. Verhandlungstag Beweisanträge vorbereitet. Er las die teils ungewöhnlich langen, handgeschriebenen und inhaltlich weit ausschweifenden Anträge zusammen rund viereinhalb Stunden vor. Er nahm Bezug auf religiöse, politische und geschichtliche Zusammenhänge, angebliche Korruption, seine Konflikte mit einer Flüchtlingshilfeorganisation, erhob wiederholt Vorwürfe gegen Behörden wie Polizei und Staatsanwaltschaft und beklagte seine medizinische Behandlung in Haft.

Der Angeklagte beantragte eine Vielzahl von Zeugenvernehmungen etwa von Ärzten, Rechtsanwälten und Politikern sowie Sachverständigengutachten. 

Das Gericht muss nun über die Beweisanträge beraten und entscheiden. Für Donnerstag ist die Fortsetzung der Verhandlung geplant. Müsste keinem Antrag nachgegangen werden, könnte die Generalstaatsanwaltschaft möglicherweise schon mit ihrem Plädoyer beginnen. 

Plädoyers dauern mehrere Tage

Die Plädoyers in Gänze werden voraussichtlich mehrere Tage in Anspruch nehmen. Es wollen dabei auch mehrere Betroffene des Anschlags das Wort ergreifen. In dem Prozess gibt es mehr als 200 Nebenkläger, nur wenige aber sind im Verhandlungssaal dabei. Seit dem 10. November 2025 verhandelt das Landgericht in einem eigens errichteten Interimsgebäude und unter hohen Sicherheitsvorkehrungen gegen den Todesfahrer vom Magdeburger Weihnachtsmarkt.

Am 20. Dezember 2024 war der damals 50-jährige Taleb Al-Abdulmohsen mit einem mehr als zwei Tonnen schweren und 340 PS starken Wagen etwa 350 Meter weit über den Weihnachtsmarkt gefahren. Fünf Frauen und ein neunjähriger Junge starben. Mehr als 300 Menschen wurden teils schwerst verletzt. Die Generalstaatsanwaltschaft hat den aus Saudi-Arabien stammenden Mann, der als Psychiater arbeitete, unter anderem wegen vollendeten Mordes in sechs Fällen und versuchten Mordes in 338 weiteren Fällen angeklagt.

dpa