Sternenkunde
Trotz Lehrermangels: Schulplanetarium öffnet wieder

Thomas Weisbach, Leiter des Schulplanetariums an der Albert-Schweitzer-Oberschule in Chemnitz, nimmt den Projektor nach monatela
Thomas Weisbach, Leiter des Schulplanetariums an der Albert-Schweitzer-Oberschule in Chemnitz, nimmt den Projektor nach monatelanger Pause wieder in Betrieb. Foto
© Jan Woitas/dpa
Rund 5.000 Schülerinnen und Schüler nutzten jährlich das Schulplanetarium in Chemnitz, dann stand der Betrieb wegen Lehrermangels still. Nun öffnet es unter veränderten Bedingungen wieder.

In Chemnitz öffnet sich wieder der Blick in die Sterne: Nach monatelanger Pause nimmt das Schulplanetarium der Albert-Schweitzer-Oberschule den Betrieb wieder auf. Künftig soll es als außerschulischer Lernort für die Schulen der Stadt zur Verfügung stehen, teilt die Kommune mit. Wegen Lehrermangels war das Planetarium fast ein Jahr geschlossen.

Rund 5.000 Schülerinnen und Schüler nutzten vor der Schließung jedes Jahr das Planetarium, sagt der langjährige Leiter Thomas Weisbach. Doch für das Angebot sei über die Jahre immer weniger Zeit geblieben, erklärt der Physik- und Mathematiklehrer. "Es wurden immer mehr Stunden gekürzt. In Zeiten des Lehrermangels wird sich das nicht ändern." Nun soll Weisbach den Betrieb gemeinsam mit drei externen Kräften auf Honorarbasis wieder aufnehmen. "Wir alle arbeiten Vollzeit und müssen schauen, wie das Projekt anlaufen wird."

Zur Wiedereröffnung am bundesweiten Tag der Astronomie am Sonnabend (28. März) lädt die Stadt ab 17 Uhr zu einem öffentlichen Programm ein. Chemnitz habe sich um den Erhalt der Einrichtung bemüht, sagt Weisbach, der sie seit fast 30 Jahren leitet. Im aktuellen Doppelhaushalt stehen 40.000 Euro zusätzlich für das Planetarium bereit, teilt die Stadt auf dpa-Anfrage mit. Das Geld soll vor allem für die Honorarkräfte eingesetzt werden.

Für Lehr- und Unterrichtsmittel, Gerätewartungen und Software stehe jährlich ein Budget von 10.000 Euro zur Verfügung. Die Stadt rechnet künftig mit mindestens 300 Veranstaltungen pro Jahr – mehr als doppelt so viele wie vor der Schließung.

Angebote ab nächstem Schuljahr

Eine Rückkehr zum regulären Lehrbetrieb im Planetarium sei ab dem neuen Schuljahr im Herbst realistisch, erklärt Weisbach. "Dann dürften alle eingearbeitet sein und wissen, wie die Technik zu bedienen ist." Geplant sind wieder Live-Vorträge für verschiedene Altersgruppen zu Themen rund um Weltall und Himmelskörper. Trotz der Pause gingen weiterhin wöchentlich mehrere Anfragen aus Chemnitz und der Region ein.

Im Planetarium wird ein künstlicher Sternenhimmel an eine Kuppel projiziert, begleitet von altersgerechten Vorträgen. Darüber hinaus gibt es auf dem Dach der Schule eine Sternwarte, über die reale Himmelskörper beobachtet werden können. Laut Weisbach existiert die Einrichtung in dieser Form seit 1981.

Planetarien und Sternwarten wichtig für den Unterricht

Dem Kultusministerium zufolge verfügen mehrere Schulen in Sachsen über ein Planetarium oder eine Schulsternwarte, darunter das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Löbau und das Siemens-Gymnasium in Großenhain. Auch anderorts arbeiten Planetarien und Sternwarten eng mit den Schulen der Umgebung zusammen, bieten Vorträge, Beobachtungen oder Projekte an und kooperieren mit wissenschaftlichen Instituten. So gebe es in Radebeul eine Zusammenarbeit zwischen den Schulen der Region und der Sternwarte.

Astronomische Themen werden in Sachsen integrativ vermittelt, erläutert das Ministerium weiter – vor allem in Physik und Geografie. In der gymnasialen Oberstufe können Schulen Wahlgrundkurse Astronomie anbieten. Der Lehrkräftemangel im naturwissenschaftlichen Bereich wirke sich auch auf den Astronomieunterricht aus, lasse sich aber durch die Zusammenarbeit mit außerschulischen Lernorten teilweise kompensieren, heißt es.

dpa