Geburtshilfe
Nur noch etwa halb so viel Geburtskliniken wie 1991

Die Zahl der Geburten in Thüringen hatte 2024 einen neuen Tiefststand erreicht. (Symbolbild) Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa
Die Zahl der Geburten in Thüringen hatte 2024 einen neuen Tiefststand erreicht. (Symbolbild) Foto
© Waltraud Grubitzsch/dpa
Abwanderung und Geburtenrückgang haben ihre Spuren in der Thüringer Krankenhauslandschaft hinterlassen. Dies zeigt das Fachgebiet Geburtshilfe.

In Thüringen hat sich die Zahl der Geburtskliniken seit der Wiedervereinigung nahezu halbiert. Gab es 1991 noch 35 Krankenhäuser mit Entbindungsstationen, waren es 2024 nur noch 19. Das entsprach einem Rückgang von knapp 46 Prozent, wie aus vom Statistischen Landesamt vorgelegten Zahlen hervor geht. Zugleich sank die Geburtenzahl in diesem Zeitraum um rund 35 Prozent.

Laut Landesamt haben alle Bundesländer seit 1991 Entbindungskliniken verloren, der Rückgang falle aber unterschiedlich stark aus. Thüringen liege beim prozentualen Verlust im Mittelfeld. In den vergangenen Jahren hatten unter anderem Geburtsstationen in Sonneberg, Greiz, Hildburghausen und Sömmerda dicht gemacht. Auch in Schleiz schloss einige Zeit vor dem kompletten insolvenzbedingten Aus des dortigen Krankenhauses bereits die Geburtsstation.

Die Zahl der Geburten war in Thüringen zuletzt auf ein historisches Tief gefallen. 2024 kamen noch 11.803 Kinder zur Welt, knapp 9 Prozent weniger als der bisherige Tiefstwert von 1994.

Ärzte halten Zentralisierung für notwendig

Diese Entwicklung führt auch dazu, dass manche Kliniken nur noch relativ wenige Geburten pro Jahr betreuen. Weniger als die Hälfte der bestehenden 19 Häuser bringt es auf 600 Geburten pro Jahr, wie aus dem Landeskrankenhausplan hervorgeht. Vier von ihnen betreuen weniger als eine Geburt pro Tag. 2024 lag die Spannbreite zwischen 223 und rund 1.300 Geburten pro Klinik.

Angesichts dieser Entwicklung hatte die Landesärztekammer im vergangenen Jahr einen Vorschlag zu einer stärkeren Zentralisierung von Geburtskliniken eingebracht. Sie begründet dies mit der besseren Versorgungsqualität in Häusern mit höheren Geburtenzahlen. Nach früheren Berechnungen der Kammer würden so nur noch 11 Geburtskliniken übrig bleiben. Der Vorschlag ist umstritten.

dpa