Sozialer Wohnungsbau
Verbandschef: 2026 kein Durchbruch beim sozialen Wohnungsbau

Kein Turbo beim sozialen Wohnungsbau in diesem Jahr, sagt der Wohnungswirtschaftsverband in Suhl (Illustration). Foto: Patrick P
Kein Turbo beim sozialen Wohnungsbau in diesem Jahr, sagt der Wohnungswirtschaftsverband in Suhl (Illustration). Foto
© Patrick Pleul/dpa

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Thüringens Landesregierung will den sozialen Wohnungsbau besser fördern. Doch die Unternehmen warten auf die Richtlinie, die die neuen Regeln definiert.

Der Direktor des Thüringer Wohnungswirtschaftsverbandes, Frank Emrich, rechnet nicht mit deutlich mehr Tempo beim sozialen Wohnungsbau in diesem Jahr. "Wir haben Projekte in der Schublade, aber die angekündigte neue Wohnungsbau-Förderrichtlinie ist noch nicht in Kraft", sagte Emrich bei den Tagen der Thüringer Wohnungswirtschaft in Suhl. "Wir warten auf die Förderrichtlinie schon lange nicht mehr gespannt – wir warten inzwischen routiniert."

Nach Einschätzung von Emrich können in diesem Jahr kaum noch Projekte umgesetzt werden - "vielleicht gibt es eine Reihe von Bewilligungen bis Jahresende. Wir verschenken 2026 wahrscheinlich für die Wohnraumförderung, das ist ärgerlich", sagte Emrich am Rand des Verbandstages. Ohne Förderung würden bei Neubauten als Folge gestiegener Baupreise und Zinsen Mieten von 18 Euro pro Quadratmeter entstehen. Das sei in Thüringen kaum durchsetzbar. Die einzelnen Punkte der Richtlinie seien gut, sie müssten nun aber verbindlich werden. 

Die kommunalen und genossenschaftlichen Unternehmen würden sich in diesem Jahr vor allem auf Investitionen in die Modernisierung ihres Bestandes konzentrieren. Vorgesehen seien in diesem Jahr Investitionen von 682 Millionen Euro. Wahrscheinlich könne jedoch ein Teil des Betrages wie bereits in den Vorjahren nicht umgesetzt werden. Die kommunalen und genossenschaftlichen Unternehmen verwalten etwa 261.000 Wohnungen - jeder zweite Mieter im Freistaat wohnt dort. 

Jährlich 800 Sozialwohnungen weniger 

Nach früheren Angaben des Infrastrukturministeriums wird die Richtlinie nach den Abstimmungsverfahren innerhalb der Landesregierung nun vom Rechnungshof geprüft. Vorgesehen ist unter anderem, dass es finanzielle Anreize gibt, wenn Bauherren die Mietbindung für neue, geförderte Wohnungen von derzeit 20 Jahren auf bis zu 35 Jahre erhöhen. Vorgesehen seien auch vereinfachte Standards und Verfahren und längere Laufzeiten für Förderdarlehen bei Investitionen in den sozialen Wohnungsbau. 

Laut Wohnungswirtschaftsverband fallen in Thüringen pro Jahr im Durchschnitt 800 Wohnungen aus der Mietpreisbindung. Den Bestand an Sozialwohnungen beziffert das Infrastrukturministerium mit rund 11.000 an. Nach der Studie "Sozial-Wohn-Monitor 2026" liege der Bedarf im Freistaat bei 20.000 Sozialwohnungen.

dpa