Die schnell steigenden Nebenkosten belasten viele Mieter in Thüringen. Nach Angaben des Verbandes der Wohnungswirtschaft, der vor allem die kommunalen und genossenschaftlichen Vermieter vertritt, stiegen allein die Nebenkosten für Heizung und warmes Wasser im Freistaat seit 2020 jährlich im Schnitt um 4,4 Prozent. Andere Nebenkosten wie Wasser, Steuern oder Grünpflege erhöhten sich durchschnittlich um 3,5 Prozent pro Jahr, sagte Verbandsdirektor Frank Emrich beim Tag der Wohnungswirtschaft in Suhl.
Dagegen stiegen die Kaltmieten nur moderat um 1,8 Prozent jährlich. Nach Einschätzung von Emrich wird es 2026 keinen Durchbruch beim sozialen Wohnungsbau geben - die von der Regierung angekündigte Förderrichtlinie lasse auf sich warten.
"Die Nebenkosten sind die Wohnkostentreiber", sagte Emrich in Suhl. Sie seien von den Vermietern kaum zu beeinflussen, würden einen Teil der Mieter jedoch an ihre Belastungsgrenze bringen. Sie müssten einen wachsenden Anteil ihres Einkommens für das Wohnen ausgeben. Trotzdem sei die Zahl der säumigen Mietzahler gering. "Wir haben nicht mehr Zahlungsausfälle als bisher."
Gera bei Nebenkosten relativ günstig, Sonneberg teuer
Im Schnitt lag die Warmmiete, bei den vom Verband vertretenen 238 Wohnungsunternehmen im vergangenen Jahr bei 9,02 Euro pro Quadratmeter. Sie sei im Ländervergleich noch relativ günstig. 2020 habe die Warmmiete allerdings nur 7,49 Euro pro Quadratmeter betragen.
Emrich verwies auf große regionale Unterschiede vor allem bei den Kosten für Fernwärme. Für eine Wohnung mit 60 Quadratmetern liegen die warmen Nebenkosten in Gera bei 957,60 Euro im Jahr, in Sonneberg bei 1.706,40 Euro.
Der Verband fordere mehr Transparenz bei den Fernwärmekosten durch die verschiedenen Versorger - Freiwilligkeit reiche dabei nicht aus. "Bisher ist die Preisaufsicht bei Fernwärme nur rudimentär", sagte Emrich. Er erwarte ein aktiveres Agieren der Landeskartellbehörde. 80 Prozent der 261.000 Wohnungen der Verbandsunternehmen würden mit Fernwärme beheizt.
Emrich: Wir verschenken 2026 für die Wohnraumförderung
Zum sozialen Wohnungsbau sagte Emrich: "Wir haben Projekte in der Schublande, aber die angekündigte neue Wohnungsbau-Förderrichtlinie ist noch nicht in Kraft. Wir warten auf die Förderrichtlinie schon lange nicht mehr gespannt – wir warten inzwischen routiniert."
Nach Einschätzung des Verbandsdirektors können in diesem Jahr kaum noch Projekte umgesetzt werden - "vielleicht gibt es eine Reihe von Bewilligungen bis Jahresende. Wir verschenken 2026 wahrscheinlich für die Wohnraumförderung, das ist ärgerlich", sagte Emrich am Rand des Verbandstages. Ohne Förderung würden bei Neubauten als Folge gestiegener Baupreise und Zinsen Mieten von 18 Euro pro Quadratmeter entstehen. Das sei in Thüringen kaum durchsetzbar. Die einzelnen Punkte der Richtlinie seien gut, sie müssten nun aber verbindlich werden.
Die kommunalen und genossenschaftlichen Unternehmen würden sich in diesem Jahr vor allem auf Investitionen in die Modernisierung ihres Bestandes konzentrieren. Vorgesehen seien Investitionen von 682 Millionen Euro. Wahrscheinlich können ein Teil des Betrages wie bereits in den Vorjahren jedoch nicht umgesetzt werden. Jeder zweite Mieter in Thüringen wohnt bei den kommunalen und genossenschaftlichen Unternehmen.
Jährlich 800 Sozialwohnungen weniger
Nach früheren Angaben des Infrastrukturministeriums wird die Richtlinie nach den Abstimmungsverfahren innerhalb der Landesregierung nun vom Rechnungshof geprüft. Vorgesehen ist unter anderem, dass es finanzielle Anreize gibt, wenn Bauherren die Mietbindung für neue, geförderte Wohnungen von derzeit 20 auf bis zu 35 Jahre erhöhen. Auch solle es vereinfachte Standards und Verfahren und längere Laufzeiten für Förderdarlehen bei Investitionen in den sozialen Wohnungsbau geben.
Laut Wohnungswirtschaftsverband fallen in Thüringen pro Jahr im Durchschnitt 800 Wohnungen aus der Mietpreisbindung. Den Bestand an Sozialwohnungen beziffert das Infrastrukturministerium mit rund 11.000 an. Nach der Studie "Sozial-Wohn-Monitor 2026" liege der Bedarf im Freistaat bei 20.000 Sozialwohnungen.