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Cholinergische Nesselsucht: Bloß nicht in Wallung kommen

Eine cholinergische Nesselsucht tritt auf, wenn die Körpertemperatur plötzlich ansteigt. Sport, ein Saunabesuch, sogar scharf gewürztes Essen lassen die Haut mit Quaddeln und Juckreiz reagieren.

Scharf gewürztes Essen kann eine cholinergische Nesselsucht auslösen

Scharf gewürztes Essen kann eine cholinergische Nesselsucht auslösen

Die cholinergische Nesselsucht zählt wie die physikalische Nesselsucht zu den induzierbaren Urtikarien. Sie ist die häufigste Sonder- und die zweithäufigste Urtikariaform überhaupt, tritt überwiegend bei jungen Erwachsenen auf und kann leichte, mittlere und schwere Reaktionen hervorrufen. 80 Prozent der Betroffenen entscheiden sich jedoch gegen eine Behandlung, weil ihre Beschwerden nicht stark genug ausgeprägt sind und sie gut mit ihnen leben können. Wie lange die cholinergische Nesselsucht anhält, lässt sich schwer sagen: Patienten können zwei, aber auch mehr als zehn Jahre mit ihr zu tun haben. Durchschnittlich hält sie etwa sechs bis acht Jahre an. Bei Atopikern, also Menschen mit einer genetisch bedingten Veranlagung für Allergien, tritt sie häufiger auf.

Ausgelöst wird diese Form der Nesselsucht oft durch bestimmte Ereignisse, welche die Körpertemperatur erhöhen:

  • Sport (laufen, Rad fahren, Tennis oder Squash spielen)
  • Tanzen
  • Sauna, heiße Duschen, warme Vollbäder
  • Scharf gewürztes Essen
  • Alkohol
  • Fieber
  • Plötzlicher emotionaler Stress

Je schneller sich der Körper erwärmt, desto eher kommt es zur Nesselsucht. Die ersten Quaddeln können schon auftreten, während die Temperatur steigt. Sie bilden sich normalerweise nach 30 bis 60 Minuten zurück, selten dauert das länger als drei Stunden. Und nach ihrem Abklingen braucht die Haut eine Pause, ehe neue Quaddeln entstehen können - etwa acht bis 24 Stunden, selten mehrere Tage. Während des Schlafes haben die Betroffenen normalerweise Ruhe.

Symptome

Die häufigsten Symptome bei einer cholinergischen Nesselsucht sind stecknadelkopfgroße Quaddeln auf geröteter Haut - vor allem an Armen, Brust, Beinen, Bauch und Rücken. Quaddelfrei bleiben in der Regel die Handinnenflächen, Fußsohlen und Achselhöhlen. Manchmal wird die Haut um die Augen herum rot und schwillt an. In schweren Fällen wird den Betroffenen schwindelig und übel, sie bekommen Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme, ihre Nase läuft und ihre Bronchien verengen sich. Sehr selten fällt der Blutdruck plötzlich ab und es droht ein lebensgefährlicher Schock.

Diagnose

Um sicher zu gehen, dass eine cholinergische Nesselsucht vorliegt, führt der Arzt einen so genannten Provokationstest durch. Zunächst misst er die Körpertemperatur im Normalzustand, dann nimmt der Patient ein warmes Vollbad oder strengt sich an, bis ihm heiß wird - etwa indem er in einem warmen Raum und in dicker Kleidung auf einem Fahrradergometer fährt. Der Mediziner kontrolliert anschließend, ob die Körpertemperatur gestiegen ist. Wenn erste Quaddeln auftreten, ist die Diagnose eindeutig.

Therapie

Auch bei der cholinergischen Nesselsucht helfen Antihistaminika - Medikamente, welche die Wirkung des Botenstoffs Histamin am Rezeptor hemmen. Oft reicht es schon, Auslöser wie Sport oder scharf gewürztes Essen zu meiden. Einige Betroffene bauen sogar die typische Quaddelpause der Nesselsucht in ihren Tagesablauf ein: Sie treiben Sport, um Quaddeln auszulösen. Sind die Schwellungen verschwunden, haben sie etwa acht bis 24 Stunden Ruhe vor dem nächsten Schub und können tanzen gehen oder etwas anderes unternehmen, das sie lieber ohne den juckenden Ausschlag genießen möchten.

Sarah Schelp
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