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Stiftung Warentest prüft Deo-Sprays: Geruchfrei - auch ohne Aluminium

Stiftung Warentest hat aktuell Deosprays untersucht, mit und ohne Aluminium. Das Ergebnis: Auch Deos ohne den umstrittenen Stoff halten frisch. Manche Produkte sind aber irreführend ausgezeichnet.

Von Sonja Helms

Die Deutschen greifen bei Deos lieber zum Spray als zum Roller. In vielen Sprays sind aber die umstrittenen Aluminiumsalze enthalten.

Die Deutschen greifen bei Deos lieber zum Spray als zum Roller. In vielen Sprays sind aber die umstrittenen Aluminiumsalze enthalten.

Bei Deos greifen die Deutschen seit jeher lieber zum Spray als zum Roller oder zur Creme. Das war schon vor fast 50 Jahren so, als Stiftung Warentest diese Produkte zum ersten Mal unter die Lupe nahm, und so ist es heute noch. Doch viele Sprays enthalten einen Inhaltsstoff, der schon länger umstritten ist und kürzlich erneut in der Diskussion stand: Aluminiumsalze, genauer gesagt, Aluminiumchlorhydrate. Die Substanz soll vom Körper aufgenommen werden und ernste Schäden hervorrufen können, etwa Brustkrebs oder Alzheimer.

Wissenschaftlich belegen lässt sich ein kausaler Zusammenhang jedoch nicht. Die Studienlage ist widersprüchlich. Nachdem das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Anfang des Jahres die aktuelle Datenlage analysiert hatte, riet es Verbrauchern dennoch, die Aufnahme des Stoffes vorsorglich zu senken. Denn Aluminium werde nicht nur über Deos und andere Kosmetika wie Lidschatten, Lippenstifte, Sonnencremes und Zahnpasten aufgenommen, sondern auch über die Nahrung. Somit könne insgesamt die als unbedenklich geltende Menge überschritten werden. Bei seiner Bewertung ging das Institut davon aus, dass Deo-Sprays etwa 20 Prozent Aluminiumchlorhydrat enthalten, was einem Aluminiumanteil von fünf Prozent entspreche.

Nicht auf frisch rasierte Achseln auftragen

Für die aktuelle Untersuchung ließ Stiftung Warentest im Labor nun 24 Deo-Sprays für Frauen untersuchen, darunter ein Unisex-Produkt. 13 der Produkte enthielten Aluminiumchlorhydrat. Doch keines davon habe den Wert von 20 Prozent Aluminiumchlorhydrat erreicht, schreiben die Tester. Den höchsten Wert mit 7,4 Prozent enthielt ein Deo von Aldi Nord, das "Kult Dry Control Deodorant".

Auf Nachfrage von Stiftung Warentest räumte das BfR jedoch ein, dass bei Personen, die diese Sprays einmal am Tag auf gesunder Haut anwendeten, kein Schaden zu erwarten sei. Gesunde Haut könne Aluminium kaum durchdringen. Allerdings solle man das Deo nicht auf frisch rasierte Achseln auftragen. Denn dabei könnten winzige Hautverletzungen entstehen, wodurch deutlich mehr Aluminium in den Körper gelangen könne. Tipp der Tester: Lieber abends rasieren, damit sich die Haut über Nacht erholen kann.

Von den elf Deo-Sprays mit Aluminiumsalzen erreichten sechs das Testurteil "Gut". Vor Achselgeruch schützten alle gut. Unterschiede gab es aber beim Punkt Schweißminderung. Aluminiumsalze werden aus genau dem Grund eingesetzt: weil sie die Schweißdrüsen verengen und so die Schweißproduktion mindern. Drei Produkten gelang das nur "mangelhaft", was zur Abwertung führte: Für das Deo "Kult Dry Control Deodorant" von Aldi Nord, das "Sport Invisible" von Fa und das "Women Long Lasting Protection Clear Aqua Crystal" von Rexona gab es daher nur ein "Ausreichend". Der beste Antitranspirant aus dieser Kategorie ist das "Ombia Body Deospray Mineral" von Aldi Süd.

Nicht immer ausreichend gekennzeichnet

Viele Hersteller kennzeichnen ihr Produkt freiwillig mit dem Begriff "Antitranspirant" oder schreiben, dass ihr Produkt Achselnässe reduziere, was ein klarer Hinweis darauf ist, dass Aluminiumsalze enthalten sind. Doch das tun längst nicht alle; gesetzlich vorgeschrieben ist es auch nicht. Wer auf Aluminiumchlorhydrat verzichten möchte, sollte sich daher die Liste der Inhaltsstoffe genau ansehen.

Dass es auch ohne diesen Stoff geht, zeigen mehrere Produkte. Am besten abgeschnitten hat das Deospray von CD "Wasserlilie" mit der Wertung "Gut", gefolgt von dem Aldi-Nord-Deo "Kult Clear Touch Deodorant" und dem "Deodorant Fresh Natural Ocean" von Nivea", die ebenfalls "gut" abschnitten. Durchgefallen sind zwei Produkte, die offenbar gar nicht vor Achselgeruch schützen und mangelhaft gekennzeichnet sind: das "Ombia Body Deospray Exotic Dream" von Aldi Süd und das "Balsam Deo Sensitive" von Sebamed.

Noch mehr Forschung benötigt

Ob und wie schädlich Aluminium in Deos nun tatsächlich ist, darauf gibt es keine abschließende Antwort. Erwiesen sei, dass hohe Aluminiumdosen "neurotoxische Wirkungen beim Menschen und embryotoxische Effekte in Tierstudien zeigen", schreibt das BfR. Der Wissenschaftliche Ausschuss Verbrauchersicherheit (Scientific Committee on Consumer Safety, SCCS) der Europäischen Kommission kam im März dieses Jahres zu dem Schluss, dass es derzeit an aussagekräftigen Studien fehle, um das Risiko abschätzen zu können. Man wisse zu wenig darüber, wie viel Aluminium tatsächlich über die Haut aufgenommen wird, um daraus ableiten zu können, welchen Anteil Kosmetika an der Gesamtaufnahme haben.

Die Aufnahme von Aluminium über die Nahrung hingegen sei gut untersucht, schreibt das BfR, weil es "als Element der Erde in vielen pflanzlichen Lebensmitteln und Trinkwasser enthalten" sei. Einige Aluminiumverbindungen sind auch als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. Bei einem Teil der Bevölkerung sei die wöchentlich tolerierbare Aufnahmemenge an Aluminium möglicherweise alleine über die Nahrung ausgeschöpft.

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