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Hygiene: Invasion im Spülschwamm

Spülschwämme und Wischlappen sollen in der Küche für Sauberkeit sorgen - sind aber Heimat für Millionen teilweise gefährlicher Bakterien. Auch Kühlschränke und Schneidebretter sind belebt.

Von Angelika Unger

Auf fremde Toiletten setzen sich die meisten Menschen nicht - aus Angst vor Bakterien. Dabei sollte man sich lieber vor seinem eigenen Kühlschrank fürchten, glaubt man einer Studie des Instituts für Lebensmittelwissenschaft der Universität Hannover: Die Forscher untersuchten zwanzig ganz normale deutsche Haushalte auf unsichtbare Mitbewohner - und fanden die größten Keimzahlen in der Küche. Kein Wunder eigentlich, denn Bakterien lieben es feucht - und finden in Spülschwämmen und Wischlappen perfekte Lebensbedingungen. Auf zehn Quadratzentimetern Lappen fanden Hans-Dieter Werlein und seine Kollegen durchschnittlich eine Milliarde Keime. "Wenn Sie die Arbeitsflächen feucht abwischen, entfernen Sie zwar den Grobschmutz, verteilen aber die Bakterien überall", sagt Werlein. Zwar seien die meisten der Keime harmlos. "Einige, wie Salmonellen oder Campylobacter, können aber Krankheiten auslösen." Das reicht von der unangenehmen, aber ungefährlichen Magenverstimmung bis zur Salmonellen-Infektion, die für geschwächte oder alte Menschen sogar den Tod bedeuten kann.

Unter sechs Grad haben Keime wenig Chancen

Hans-Dieter Werlein rät deshalb, Schwämme und Lappen gut auszuwringen und so aufzubewahren, dass sie schnell trocknen - zum Beispiel über den Wasserhahn gehängt oder auf der Heizung. Außerdem sollte man Lappen und Spülschwamm regelmäßig austauschen oder zum Reinigen mit in die Spülmaschine geben. Damit sich die Bakterien auf der feuchten Arbeitsplatte nicht weiter vermehren können, ist Nachwischen mit einem trockenen Tuch Pflicht.

Ebenfalls wohl fühlen sich Bakterien und Schimmelpilze im leicht feuchten Klima des Kühlschranks: Läuft der auf zu niedriger Stufe, vermehren sich die unerwünschten Besucher dank reichlicher Nahrung rasant, stellten die Wissenschaftler fest. Höchstens sechs Grad sollten im Inneren herrschen, damit zumindest die gefährlichen Salmonellen keine Chance haben sich auszubreiten, empfiehlt Werlein. "Man sollte mit einem Thermometer nachmessen, da die Temperatur im Kühlschrank von Modell zu Modell stark schwankt."

Außerdem sollte der Kühlschrank regelmäßig gereinigt werden - dabei muss es laut Werlein nicht immer gleich die Chemiekeule sein: "Essig ist hervorragend geeignet, um Schimmelpilze abzutöten."

In Holzbrett-Spalten können Salmonellen schlummern

Dicht besiedelt sind auch Schneidebretter: 85.000 Bakterien tummelten sich durchschnittlich auf zehn Quadratzentimetern Brett - das sind dreimal so viele wie auf dem Toilettenrand. Besonders in Holzbrettchen lebt so einiges, was da nichts zu suchen hat: "Bei Nässe schließen sich die Riefen und Spalten in älteren Holzbrettern und schließen die Bakterien ein. Beim Trocknen öffnen sie sich wieder, und die Bakterien, die darin geschlummert haben, werden wieder freigesetzt", erklärt Hans-Dieter Werlein. Schneidebretter sollte man deshalb trocken halten und nur von Zeit zu Zeit mit einem desinfizierenden Tuch abwischen.

Wer Fleisch zerschneiden will, sollte das ohnehin lieber auf einem hygienischeren, da spülmaschinengeeigneten Kunststoffbrett tun. Denn in rohem Fleisch, vor allem in Geflügel, lauern häufig Salmonellen. "Wenn Sie Ihr Hühnchen durchgebraten verzehren, kann Ihnen nichts passieren. Aber wenn Sie es auf einem Schneidebrett zerlegt haben und auf dem gleichen Brett schneiden Sie dann eine Gurke für den Salat, kann es zu Kreuzkontamination und beispielsweise zu einer Salmonellose kommen", warnt Werlein.

Dagegen hilft nur eins: ein separates Kunststoff-Schneidebrett nur für Fleisch, das nach der Benutzung gleich in die Spülmaschine wandert. Wer keine Spülmaschine hat, kann das Brett einfach in kochendes Wasser legen: Die hohen Temperaturen überleben die Mikroben nicht.

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