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Kinder: Angststörungen bleiben meist unerkannt

Mehr als die Hälfte der erwachsenen Panik-Patienten haben bereits als Kind an einer Angststörung gelitten. Eine Spieltherapie kann dem schon früh vorbeugen.

Jedes dritte Schulkind in Deutschland leidet unter Ängsten. Jeder siebte Schüler müsste eigentlich deshalb behandelt werden. Doch meist werden solche Angststörungen bei jungen Menschen verharmlost oder nicht erkannt, wie die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde kritisiert. Wenn jedoch diese Ängste nicht rechtzeitig therapiert würden, könnten daraus schwere Panikerkrankungen entstehen.

Warnsignale und Ursachen

"Wenn ein Kind sich plötzlich verändert, nicht mehr richtig essen oder schlafen kann oder mit Bettnässen beginnt, ist das ein Warnsignal", sagt Professor Christian Eggers von der Kinderpsychiatrischen Klinik der Universität Essen. Ängste könnten sich aber auch in körperlichen Beschwerden wie Magenschmerzen äußern. Besonders gefährdet seien Kinder, die ohnehin eher scheu und gehemmt seien. Ursachen der Angststörungen seien häufig familiäre Konflikte oder Krisen wie die Scheidung der Eltern. Daraus könnten Trennungsängste entstehen, die sich bis ins Krankhafte steigerten.

Teufelskreis

Angststörungen verschwinden nicht von allein, sondern verstärken sich meist in einer Art Teufelskreis, wie die Therapeuten betonen: Je mehr die Kinder sich zurückzögen, desto ängstlicher und unselbstständiger würden sie. Über die Jahre könnten daraus massive Leiden wie Phobien, Depressionen, Süchte oder Panikerkrankungen entstehen. "Studien zeigen, dass mehr als die Hälfte der erwachsenen Patienten mit einer Panikerkrankung bereits als Kind an einer Angststörung gelitten haben", sagt der Sprecher der Fachgesellschaft, Peter Falkai.

Spieltherapie

Daher sollten Kinder mit Angststörungen frühzeitig einem Psychiater vorgestellt werden, raten die Experten. Meist helfe eine Spieltherapie, bei der das Kind seine Ängste symbolisch darstellen und in therapeutischen Gesprächen überwinden könne. Oft würden auch die Angehörigen mit einbezogen. Die meisten Menschen mit Angststörungen kämen jedoch, wenn überhaupt, erst als Erwachsene in psychiatrische Behandlung, berichtet Falkai: "Dann haben sich die Störungen oft schon über Jahrzehnte verfestigt."

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