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Oben ohne: Bitte spendet für die Pharma-Industrie!

Patienten müssen sich mit alten Behandlungsmethoden zufrieden geben, weil der Forschung angeblich das Geld fehlt. Uta Melle fragt sich, warum das Spendenprinzip bei Krebs nicht funktioniert.

Okay,vielleicht bin ich heute noch unsachlicher, als ich es sowieso schon bin. Ich bin wütend und ich bin neidisch. Auf AIDS zum Beispiel. Was die in einem Jahr an Forschungsgeldern klar machen, ist sensationell. Jeder trägt stolz die rote Schleife, jeder weiss, was sie bedeutet. Pro Jahr erkranken ca 2.000 bis 3.000 Deutsche an HIV. Insgesamt haben wir ca 75.000 HIV-Patienten in Deutschland. Die Forschung hat so gut gearbeitet, dass es schon einen Fall gibt, wo der HIV-Virus sich zurückgebildet hat. Das finde ich großartig!

An Brustkrebs erkranken ca 85.000 Frauen jährlich allein in Deutschland. Krebs generell ist eine Volkskrankheit, Menschheitsgeisel. Und jetzt der Hammer: Ich habe zum Beispiel als Therapie fast die gleiche Chemo bekommen, wie meine Mutter 20 Jahre vorher. 20 Jahre! Vor 20 Jahren wurden Mobiltelefone noch in Koffern transportiert und das Internet bestand aus einer Leitung!

Fehlt es an Geld, um Fortschritte in der Forschung zu machen? Dann bitte, Ihr armen Pharmafirmen, hebt die Hand und bittet um Spenden! Ich denke, da würde was gehen! Und wir könnten auch etwas lauter werden! Kampagnen zur Aufklärung, die von nennenswerten Spenden unterstützt werden, sind nämlich immer leise und zurückhaltend, haben kaum Wirkung.

Und die zweite große Frage: wenn ich für die Krebsforschung stiften will, an wen? Was ist sinnvoll, was kommt wo an? Ehrlich gesagt: ich kann hier keinen link anbieten – nichts – gar nichts! Da bin ich total hilflos! Höchstens für Projekte zur Verarbeitung von Krebs – aber nichts im Forschungsbereich.

Was die Forschung anbetrifft: Ich zum Beispiel, würde es total gern sehen, wenn sich Superspezialisten aller Medizinarten (klassische, chinesische, homöopathische etc Ärtze) sich zusammensetzen und in absolutem gegenseitigem Respekt neue Behandlungsmöglichkeiten ersinnen. Oder wenigstens irgendwas in dem Orbit – aber es tut sich nichts. In der Genforschung – ja, das sind zur Zeit 5% und man möchte mehr nachweisen – ich denke, weil es dann vorhersehbar wird – aber was ist mit dem Rest? Warum, wieso, weshalb entsteht Krebs?

Und: was ist mit neuen Behandlungsansätzen? Chemo, Bestrahlung... und? Ist das alles? Warum stagniert die Forschung? Oder: habe ich nur den Eindruck, dass sie stagniert? Oder muss ich hier Lobbyismus unterstellen? Eine komplette Chemotherapie-Behandlung kostet rund 50.000 Euro. 85.000 Neuerkrankungen im Jahr. Das ergibt einen Umsatz von 4.254.000.000 Euro im Jahr. Sollte sich das verändern, ist relevanter Umsatz in Gefahr. Das sieht die Börse nicht gern. Also: Wer hat denn wirklich ein Interesse am Forschen nach wirklich neuen Wegen? Irgendwie niemand wirklich zu sehen. Auch nichts im Gesundheitsministerium.

Das erzeugt Unsicherheit. Diese Unsicherheit treibt viele Betroffene in die Arme von Scharlatanen, die der klassischen Medizin respektlos gegenüber stehen. Mann muss nur mal „alternative Krebstherapien“ googeln: 766.000 Einträge! Und dann bleibt genug Raum für Dummschwätzer wie Robert Betz, der Frauen einreden will, sie wären selbst an ihrer Erkrankung schuld! Ekelhaft und nicht hilfreich.

Von Broschüren der Unternehmen, die mit Krebs zu tun haben, lächeln junge, gesunde Damen – die Mastektomie wird mit stilisierten Zeichnungen kurz angedeutet. Narben werden nicht gezeigt. Das entspricht der Kommunikation in Gesellschaft und Medien: Die meisten Menschen schrecken vor Bildern von Menschen mit Glatze oder Narbe statt Brust mehr zurück, als vor Bildern von Unfällen mit Todesfolge. Da wird teilweise sogar die Hirnmasse auf der Strasse noch gezeigt – aber bitte keine Narbe. Merkwürdig!

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