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Oben ohne: Busenentscheidung, die Zweite

Wurde die Brust abgenommen, stehen Brustkrebspatienten vor der Frage: aufbauen oder nicht? Lassen Sie sich Zeit für die Entscheidung, rät Uta Melle.

Die Frage nach einem Brustaufbau ist die nächste Entscheidung, die zu treffen ist. Sie ist leichter, denn sie ist nicht lebensnotwendig und man steht zu der Zeit nicht mehr unter Diagnoseschock. Sie ist aber auch eine schwierige Entscheidung, denn frau entscheidet damit auch, wie sie in Zukunft leben und wahrgenommen werden will.

Es gibt tatsächlich Ärzte, die einen Brustaufbau noch vor den Therapien vorschlagen. Ich weiß nicht, warum sie das tun. Vielleicht wollen sie den Frauen suggerieren, dass alles wieder so wird wie früher. Wird es aber nicht. Nach einer existenziellen Erfahrung, wie man sie mit Brustkrebs macht, kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Mich z.B. hat die Erfahrung klarer, entschiedener und weniger Kompromissbereit gemacht! Ausnahmen sind hier die Brustrekonstruktionen nach einer vorbeugenden Brustamputation ohne Therapien, wie bei Angelina Jolie.

Ein Brustaufbau besteht aus mehreren schweren OP’s. Im Vergleich zu einer dieser OP’s ist die Amputation eine leichte OP. Also bitte: zuerst die Heilung, dann die Entscheidung, dann die Dekoration!

Lassen Sie sich Zeit – der Körper braucht viel Kraft um wieder gesund zu werden. Es ist wichtig zu wissen, dass die neu geschaffene Brust die natürliche Brust nie genau ersetzen kann. Auch ist mit Narben zu rechnen, und zwar häufig auch an Stellen außerhalb der Brust (z.B. auf dem Rücken oder Bauch). Gesundheitlich sollte die Frau nicht unter solchen Krankheiten leiden wie Diabetes, Gefäßkrankheiten, Herzkrankheiten. Ein anderes gesundheitliches Risiko, welches das Ergebnis der Rekonstruktion gefährden kann, ist die Fettleibigkeit der Patientin. Auch das Rauchen kann die Rekonstruktion komplizieren, deshalb wird der Patientin empfohlen, das Rauchen aufzugeben. Erlaubt der psychische und gesundheitliche Zustand der Patientin die Brustrekonstruktion, sollte sie eine Stellungnahme des Onkologen und Radiologen über die Beendung der Therapie haben.

Ich habe tiefsten Respekt vor den Frauen, die einen Brustaufbau machen lassen: entweder man muss 1 Jahr lang einen eingebauten Expander zur Straffung der Haut im Busen tragen (bei Silikonaufbau). Oder man muß Fett- und Hautentnahme-OP’s durchführen lassen (bei Brustrekonstruktion mit Eigenfett) oder die Materialentnahme aus der Rückenmuskulatur (Kombination aus Eigenmaterial und Silikon).

Superwoman Beate fotografiert von Esther Haase. Brustrekonstruktion aus der Rückenmuskulatur.

Wichtig ist hier auch, dass die Frau erst einmal ihre eigene Entscheidung trifft: ob man sich der Gesellschaft so stellen kann, ob man sich selbst so mag oder wieder mögen kann, ob man einen Prothesen-BH tragen würde, wie man sich in der Sauna verhält, ob man so noch Sex haben möchte, welches Kleid man zu ausgehen trägt ... – es gibt so viele Fragen, die man sich stellen muss – am besten nackt vor dem Spiegel. Bei mir kam auch das schrecklichste aller Ungeheuer: „die Zeit“: Vergeudet das alles nicht viel zu viel von meiner Zeit?

Dann kommt das Gespräch mit dem Partner – wenn man einen hat. Ehrlich und wahrhaftig! Es muss klar sein, dass in künstlichen Brüsten nicht viel Gefühl steckt, es muss klar sein, dass die Brüste Dekoration sind. Die allerletzte Entscheidung sollte meiner Meinung nach einstimmig sein.

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