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Sonnen-Mythen: Zehn Irrtümer rund um gesunde Bräune

Wohin mit der Sonnencreme vom Vorjahr? Muss After-Sun-Lotion sein? Und hilft Quark eigentlich bei Sonnenbrand? stern.de räumt auf mit zehn Irrtümern um Sonne und Sonnenschutz - denn nur wer Bescheid weiß, kann sich schützen.

Von Angelika Unger

Sonnenbaden ist gesund.

Sonne ist wichtig fürs Gemüt, Depressionen treten in der dunklen Jahreszeit sehr viel häufiger auf als im Sommer. Außerdem braucht der Körper Sonnenlicht, um Vitamin D bilden zu können - dieser Stoff spielt eine wichtige Rolle für den Kalziumhaushalt des Körpers. "Aber dafür muss man nicht den ganzen Körper in die Sonne strecken", sagt die Dermatologin Ingrid Moll. "Wir wissen inzwischen, dass der Körper nur sehr wenig Licht braucht."

Gesicht, Hände, die nackten Arme unterm T-Shirt bekommen im Alltag genug Sonnenstrahlen ab - es gibt also keinen Grund, stundenlang im Bikini in der prallen Sonne zu brutzeln. Denn spätestens dann, sagt Ingrid Moll, überwiegen den Nachteile für den Körper: Die Haut altert, das Hautkrebsrisiko steigt.

Besonders gefährdet: zarte Kinderhaut. "Kinder den ganzen Nachmittag lang mit dem Eimerchen nackt an den Strand zu schicken, das grenzt an Körperverletzung", sagt Moll. Um die Kleinen optimal zu schützen, sollten Eltern ihnen leichte Kleidung und ein UV-Schutz-Mützchen mit Nackenschutz anziehen und sie regelmäßig eincremen.

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Ingrid Moll, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie am UKE Hamburg

Vorbräunen im Solarium schont die Haut.

Richtig ist: Wer schon braun ist, bekommt nicht so schnell einen Sonnenbrand. "Insgesamt hat man aber mehr Lichtschäden, wenn man sich vor dem Sonnenbad in die Sonnenbank legt", warnt Ingrid Moll. Denn wer erst ins Solarium geht und sich später in die Sonne knallt, setzt seine Haut länger der schädlichen UV-Strahlung aus als jemand, der nicht vorbräunt.

Das lässt die Haut altern - und zwar selbst dann, wenn später kein Sonnenbrand hinzukommt. "Das Licht schädigt die Haut auch unterhalb der Sonnenbranddosis", sagt Moll.

Selbstbräuner schützen vor Sonnenbrand.

Wenn der Körper Sonne abbekommt, bildet er das Pigment Melanin, das die Haut schützt und für eine braune Tönung sorgt. Selbstbräuner funktionieren jedoch anders, erläutert Ingrid Moll: "Selbstbräuner färbt lediglich die oberste Hautschicht ein - ähnlich wie ein länger anhaltendes Make-up."

Die Bräune aus der Tube sieht zwar echt aus. Da der Körper durch sie aber kein Melanin bildet, verbrennen selbstbräuner-getönte Black Beautys genauso schnell wie winterweiße Schneewittchen.

Sonnencreme aus dem Vorjahr wirkt nicht mehr.

Ab in den Müll mit der Sonnencreme des letzten Sommers? Ganz falsch ist das nicht, sagt Ingrid Moll: "Wenn die Creme ein Jahr lang offen war, wirkt sie wahrscheinlich nicht mehr."

Unangebrochene Flaschen hingegen könne man gewöhnlich noch ein Jahr später verwenden. Auf das aufgedruckte Verfallsdatum achten!

Mit Lichtschutzfaktor 20 kann man 20-mal so lang in der Sonne bleiben.

Theoretisch sei das zwar richtig, sagt Ingrid Moll. "Der volle Lichtschutzfaktor wird aber nur für kurze Zeit erreicht." Schweiß lässt die Creme verlaufen, und spätestens wenn man sich am Strand vom Rücken auf den Bauch umgedreht hat, ist ein Großteil der schützenden Creme auf der Strandmatte verteilt.

"Die Lichtschutzfaktor-Angaben treffen nur zu, wenn man die Sonnencreme sehr großzügig aufträgt und nach wenigen Stunden wieder erneuert", so die Dermatologin. Bis zu eine Flasche Sonnencreme pro Strandtag müsste man verschmieren, um stets den vollen Schutz zu erreichen - "wir haben das mal geschätzt". Aber wer macht das schon?

Dunkelhaarige brauchen einen niedrigeren Lichtschutzfaktor als Blonde.

Der keltische Typ mit rötlichem oder hellblondem Haar soll sich immer im Schatten aufhalten, dem mediterranen Typ mit dunklem Haar genügt Sonnencreme mit niedrigem Lichtschutz - Tipps wie diese kennt man aus vielen Frauenzeitschriften. "Die Einteilung in Hauttypen ist viel zu grob, als dass sich der Einzelne darauf verlassen sollte", sagt Ingrid Moll. Auch wenn die Mehrheit der Dunkelhaarigen mehr Sonne verträgt als blonde Menschen - es gibt auch blasse Brünette und schnell bräunende Blondinen.

Die Dermatologin rät: Im Zweifelsfall lieber einen höheren Lichtschutzfaktor auftragen. Und der eigenen Erfahrung vertrauen - wer im letzten Jahr schon nach kurzer Zeit krebsrot wurde, wird sich auch in diesem Jahr schnell verbrennen.

Im Schatten braucht man keinen Sonnenschutz.

Oh doch! "Die UV-Dosis im Schatten wird immer wieder unterschätzt", sagt Ingrid Moll. Sogar Sonnenbrand kann man im Schatten bekommen. Schuld ist die Streustrahlung: Das Sonnenlicht wird etwa von Meer und Strand reflektiert.

Daher ist sollte man sich von 11 bis 15 Uhr überhaupt nicht leicht bekleidet im Freien aufhalten, rät die Dermatologin. "Da ist die Sonneneinstrahlung auch im Schatten hoch." Am besten also mittags ab ins Haus, Siesta halten. Oder einfach was überziehen: Am besten schützen feine Kleider aus Baumwolle oder Seide.

Wasserfeste Sonnencreme muss man nach dem Baden nicht erneuern.

"Wirklich wasserfest ist auch wasserfeste Sonnencreme nicht", sagt Ingrid Moll. Die Hersteller dürfen ihre Cremes als wasserfest bezeichnen, wenn sie nach einer bestimmten Zeit im Wasser noch zumindest teilweise schützen.

Der volle Lichtschutz werde nach dem Baden aber längst nicht mehr erreicht, so Moll. "Daher sollte man sich unbedingt sofort frisch eincremen, wenn man aus dem Wasser kommt."

Nach dem Sonnen sind After-Sun-Produkte Pflicht.

Sonne stresst die Haut, sie beginnt oft zu spannen und zu jucken. Ein Fall für After-Sun-Cremes und -Lotionen? "Wenn die Haut nach dem Sonnenbad ausgetrocknet ist, ist es sinnvoll, sie wieder zu fetten", sagt Ingrid Moll. "Aber dass es unbedingt die furchtbar teure After-Sun-Creme sein muss, bezweifle ich sehr." Eine preiswerte Allzweckcreme aus der Drogerie sei ähnlich wirksam wie ein Parfümerie-Produkt.

Lotionen lassen sich zwar besonders gut verteilen, haben aber auch Nachteile: "After-Sun-Lotion wirkt eher kühlend als fettend", erläutert Moll, "tragen Sie lieber am Abend zu Hause eine etwas fettigere Creme auf."

Quark hilft gegen Sonnenbrand.

"Bloß keinen Quark auf den Sonnenbrand! Mit den Bakterien im Quark können Sie sich anstecken", warnt Ingrid Moll. Stattdessen sollte man die betroffenen Stellen mit einem kühlenden Gel bestreichen, oder - falls die Haut arg verbrannt ist - eine Kortisoncreme auftragen.

Generell gilt: Sonnenbrand sollte man nicht unterschätzen! Aus medizinischer Sicht ist er eine Entzündung der Haut, ausgelöst durch zu viel UV-Strahlung. Daher sollte man sich nicht scheuen, sich beim Arzt oder zumindest in der Apotheke beraten zu lassen.

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