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Uli Hoeneß: Kann Zocken an der Börse süchtig machen?

Tag und Nacht zockte er an der Börse, mittlerweile sei er kuriert, sagt Uli Hoeneß. Doch gibt es so etwas wie eine Börsensucht wirklich? Ein Glücksspielforscher gibt Antworten.

Von Lea Wolz

Eine "große Torheit" habe er begangen, einen "Riesenfehler", sagt Uli Hoeneß in einem Interview mit der "Zeit". Ab 2011 habe er begonnen, exzessiv an der Börse zu spekulieren. Zwischen 2002 und 2006 habe er "richtig gezockt", teilweise Tag und Nacht mit extrem hohen Beträgen gehandelt. "Das war der Kick, das pure Adrenalin", gesteht der ertappte Steuersünder.

Auf die Frage, ob er spielsüchtig sei, antwortet Hoeneß. "Ich halte mich nicht für krank." Ein paar Jahre lang sei er wohl nah dran gewesen. "Aber inzwischen halte ich mich für kuriert."

Doch gibt es so etwas wie eine Börsensucht eigentlich? Und wie sieht die Therapie solcher Verhaltenssüchte aus? "Ich würde nicht von einer Börsensucht sprechen", sagt Tilman Becker, Leiter der Forschungsstelle "Glücksspiel" an der Uni Hohenheim. Überzeugt ist er allerdings davon, dass Zocken an der Börse süchtig machen kann. "Die Betroffenen zeigen dann Anzeichen wie bei einer Glücksspielsucht."

Hab und Gut aufs Spiel gesetzt

So würden ihre Gedanken stetig ums Zocken kreisen. Obwohl sie wollen, fällt es den Süchtigen schwer aufzuhören. Sie tauchen vollkommen in die Spielewelt ab, vergessen ihre Umgebung, verspielen ihr gesamtes Hab und Gut. Auf der Jagd nach dem nächsten Gewinn setzen sie immer höhere Beträge und zocken immer riskanter, verheimlichen ihr Verhalten vor Familienmitgliedern und begehen sogar illegale Handlungen, um ihr Spiel zu finanzieren. "Manches davon dürfte sicher auf den aktuellen Fall zutreffen", vermutet Becker.

Zehn solche Kriterien listet das Diagnostische und Statistische Manual Psychischer Störungen (DSM-IV) auf. Sind mindestens fünf davon erfüllt, sprechen Experten von einem pathologischen, also krankhaften, Spielverhalten. In der Fachwelt ist allerdings umstritten, ob Spielsucht tatsächlich eine Sucht im herkömmlichen Sinn ist - wie etwa der Missbrauch von Drogen oder Alkohol - oder nicht viel mehr ein Symptom von dahinter liegenden Depressionen oder Ängsten. "Das kommt häufig im Bündel, da ist es schwer zu sagen, was die Ursache und was die Symptome sind", sagt Becker.

Klar ist für ihn allerdings: "Im Gehirn der Betroffenen spielt sich ähnliches ab wie bei stoffgebundenen Süchten, etwa einer Alkoholsucht." Die Reize sprechen das Belohnungszentrum an. Das werde nicht mehr ausreichend kontrolliert - und verlange immer mehr von den als positiv empfundenen Kicks. Eine Teufelskreislauf, aus dem nur schwer zu entkommen ist.

Die meisten Suchtspieler sind Männer

Dass die Jagd nach dem nächsten Gewinn an der Börse ein hohes Suchtpotenzial besitzt, steht Becker zufolge außer Zweifel. Ähnlich wie beim Roulette handele es sich um schnelle "Spielabfolgen", über Gewinn oder Verlust wird in Windeseile entschieden. Diesen Nervenkitzel, das "pure Adrenalin", wie Hoeneß sagte, suchen pathologische Spieler.

Rund 200.000 von ihnen gibt es in Deutschland, schätzt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Zumeist sind Männer betroffen, viele von ihnen haben einen Migrationshintergrund. In der Therapie wird erst einmal versucht, auf Verhalten und Denken einzuwirken. "In erster Linie ist es wichtig, den Abhängigen klar zu machen, dass man beim normalen Glücksspiel nicht gewinnen kann und niemand damit reich wird", sagt Becker. Zudem sei es wichtig, Spielsüchtigen zu verdeutlichen, wie hoch der Preis ist, den sie dafür bezahlen.

Auch wenn die Chancen auf Gewinne an der Börse wohl besser sind als bei dem einarmigen Banditen im Ladenlokal um die Ecke, der Preis ist auch bei Hoeneß hoch. "Es ist eine Situation, die kaum auszuhalten ist", sagt er in dem "Zeit"-Interview. Ob er tatsächlich vom Zocken an der Börse kuriert ist, lasse sich nur schwer sagen, räumt Becker ein. "Bei Spielsüchtigen zumindest stehen die Chancen aber gar nicht schlecht. 70 bis 80 Prozent von ihnen überwinden ihre Sucht ohne äußere Hilfe. Sie berappeln sich wieder von selbst, zumeist wenn die Krisensituation - etwa eine Scheidung - überwunden ist."

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(