Filme über bedeutende Persönlichkeiten der Zeitgeschichte sind seit einigen Jahren schwer angesagt, vor allem im Westen. Die Figurenwahl in diesem speziellen Fall darf man aber durchaus als sehr heikel ansehen: "Der Magier im Kreml", eine internationale Koproduktion mit Beteiligung von unter anderem Canal+ und Disney+, richtet den Blick bis weit in den Osten und dort vor allem in die "dunklen Korridore der Macht". Es geht um den Aufstieg von Wladimir Putin.
Außerdem neu im Kino: Der Animationsfilm "Arco" erzählt eine ebenso poetische wie visionäre Geschichte über ein Mädchen und einen zeitreisenden Jungen, und in der schwarzen Komödie "How to Make a Killing" wird wie einst in "Adel verpflichtet" gemordet, um an ein großes Erbe zu kommen.
Der Magier im Kreml
Der Titel des Films von Regisseur und Autor Olivier Assayas (Co-Autor: Emmanuel Carrère) ist etwas irritierend, manche würden vielleicht auch sagen: irreführend. "Der Magier im Kreml" bezieht sich nicht etwa auf Putin selbst, sondern auf einen gewissen Wadim Baranow. Dieser Baranow, eine Art "neuer Rasputin", ist streng genommen eine Erfindung des Schriftstellers Giuliano da Empoli, auf dessen gleichnamigem Bestseller der Thriller "Der Magier im Kreml" basiert. Baranow ist allerdings in vielen Punkten angelehnt an den real existierenden Wladislaw Surkow, der über mehrere Jahre als Putins Chefberater fungierte.
Den Rahmen bildet ein Gespräch zwischen Baranow und einem US-Journalisten, in dem auf Putins Aufstieg zurückgeblickt wird, vor allem aber auch auf die Rolle seines "Zauberers" im Hintergrund. Im Fokus steht dabei vor allem die Zeit vom Zusammenbruch der UdSSR Ende der 80er-Jahre bis zur Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014. Zweifellos bemerkenswert ist neben dem Inhalt selbst auch die Besetzung dieses Films. Paul Dano spielt Wadim Baranow, und Jude Law schlüpft, äußerlich stark verändert, in die Rolle von Wladimir Putin. Des Weiteren sind auch Alicia Vikander und Jeffrey Wright an dem Projekt beteiligt.
"Der Magier im Kreml" feierte im Sommer 2025 bei den Filmfestspielen von Venedig Premiere und lief dort auch im Hauptwettbewerb um den Goldenen Löwen. Die Reaktionen fielen insgesamt aber sehr gemischt aus. Die Leistung von Paul Dano, als Schauspieler zuletzt so harsch herabgewürdigt durch Quentin Tarantino, fand einige Anerkennung, ebenso wie die allgemeine Auseinandersetzung mit den Mechanismen der Macht. Der Blick auf Russland-Präsident Putin war vielen Kommentatoren allerdings nicht kritisch genug. Aus unterschiedlichen politischen Lagern wurde auch "Propaganda"-Kritik laut.
Arco
Ugo Bienvenu – auch unter den größten Kennern der internationalen Filmszene werden bislang nur die wenigsten etwas mit diesem Namen anfangen können. Für die Zukunft sollte man Bienvenu allerdings genau im Auge behalten, vor allem als Fan innovativer animierter Filmkunst. Während der Corona-Pandemie begann der junge französische Karikaturist, Comicautor und Regisseur, gemeinsam mit Drehbuchautor Félix de Givry seinen ersten Spielfilm zu entwickeln. Nach der Cannes-Premiere und dem US-Kinostart 2025 läuft "Arco – Eine fantastische Reise durch die Zeiten" jetzt auch hierzulande in den Kinos an – nach Meinung vieler Experten einer der besten Trickfilme der letzten Jahre.
Was ist am Ende des Regenbogens? Früher träumte man da mal von Töpfen voller Gold, in "Arco" ist es stattdessen ein Zeitreisender. Das Mädchen Iris lebt mit ihrer Roboter-Pflegerin Mikki im Jahr 2075 in einer Welt, die kurz vor dem Klimakollaps steht. Dann trifft sie Arco, der erst als kunterbunter Regenbogen durch die Luft saust und dann eine ziemlich harte Bruchlandung hinlegt in einer Zeit, in der er eigentlich nie sein wollte.
Arco kommt aus einer völlig anderen Welt als Iris, trotzdem entwickelt sich zwischen den beiden bald eine spezielle Freundschaft. Aber kann Iris dem mysteriösen Arco auch dabei helfen, zurück nach Hause zu kommen? Wie poetisch und visionär Ugo Bienvenu diese Geschichte zwischen Vergangenheit und Zukunft inszeniert, sorgte international zuletzt schon für jede Menge Begeisterung. Einige Filmpreise hat Bienvenu mit seinem Debütfilm auch schon gewonnen. "Arco" war sogar für einen Golden Globe und einen Oscar nominiert (jeweils in der Kategorie "Bester Animationsfilm"), ging aber in beiden Fällen leer aus.
How to Make a Killing – Todsicheres Erbe
"Ein gutes Herz zählt mehr als jede Krone und schlichter Glauben mehr als blaues Blut": Die Filmemacher Robert Hamer und John Dighton nahmen diese Zeilen aus einem alten britischen Gedicht einst als Inspiration für ihre berühmte Krimikomödie "Adel verpflichtet" (1949, Originaltitel "Kind Hearts and Coronets"), nur um diese so dargelegten Ideale dann mit Füßen treten zu lassen. Da wurde nach allen Regeln der Kunst intrigiert, getrickst und gemordet, nur um an das große Erbe zu kommen. Knapp 80 Jahre nach "Adel verpflichtet" kommt nun eine ganz ähnliche Geschichte in die Kinos: "How to Make a Killing – Todsicheres Erbe".
Zur genauen Einordnung: Was John Patton Ford (Regie und Drehbuch) nun auf die Leinwand bringt, ist keine direkte Neuverfilmung des abgründigen High-Society-Klamauks mit Alec Guinness in einer Mehrfachrolle, aber sehr stark davon inspiriert. "Was würdest du mit einer Milliarde Dollar machen?", wird Becket Redfellow (Glen Powell, "The Running Man") im Trailer gefragt. Eigentlich müsste man es bei ihm aber anders formulieren: "Was würdest du für eine Milliarde Dollar machen?"
Becket Redfellow stammt aus besten Verhältnissen, allerdings mit ein paar komplizierten Brüchen in der Familiengeschichte. Seine Mutter wurde einst enterbt, die Aussicht auf die Reichtümer ihrer Familie rückte in weite Ferne. Trotzdem erzog sie ihren Becket in der Gewissheit und mit dem ewigen Versprechen, dass er "eines Tages" der Alleinerbe sein würde. Immobilien, Flugzeuge, Inseln und mehr: All das möchte Becket sich als erwachsener Mann nun holen. Insgesamt sieben Menschen stehen zwischen ihm und dem 28-Milliarden-Dollar-Erbe der Redfellow-Dynastie. Also macht er sich in der pechschwarzen Komödie daran, seine Position in der Rangfolge immer weiter zu verbessern – mit Charme, Witz und ohne Skrupel, den einen oder anderen Ast im Familien-Stammbaum brutal abzusägen ...