HOME

Kommentar zum Klopp-Abgang: Der beste Kumpel musste weg

Jürgen Klopp sorgte in Dortmund für jahrelange Fußball-Ekstase. Die Fans werden ihm ein Denkmal bauen. Aber nur, weil ihr bester Kumpel jetzt rechtzeitig aufhört.

Ein Kommentar von Felix Haas

Man hätte es ahnen können in den vergangenen Wochen, aber so wirklich wollte es wohl niemand wahrhaben, weder die Fans noch die Reporter. Jürgen Klopp saß nach Bundesliga-Spielen immer häufiger angefressen auf den Pressekonferenzen herum. Er muffte so vor sich hin. Schlechte Laune, kurze, schnippische Antworten, Achselzucken, sarkastisches Lachen. All das waren Anzeichen einer Ratlosigkeit, eines inneren Selbstzweifels.

Und so gestand Jürgen Klopp heute: "Ich habe mich immer hinterfragt. Bin ich noch der Richtige für diesen Club? Zuletzt habe ich diese Frage nicht mehr mit einhundert Prozent bejahen können". Deshalb #link; http://www.stern.de/2187218.html;tritt er im Sommer ab#. Deshalb übergibt er den BVB in neue Hände. Er hat die Zeichen der Zeit erkannt. Gerade noch rechtzeitig.

Er probierte, rotierte - und machte Fehler

Als Jürgen Klopp 2008 beim BVB anfing, krempelte er die Ärmel hoch. Er lieferte ehrliches Rabotti, Rabotti. Fast-Insolvenz, fehlende Stars, jahrelanges Mittelmaß. Das war ihm egal. Er brachte eine Idee mit. Seine Spieler sollten die Fans mit Leidenschaft und offensivem Spektakel begeistern. Denn eines versprach Klopp schon bei seiner Vorstellung: "Wir wollen versuchen, dem Ganzen Leben einzuhauchen. Es wird die eine oder andere Vollgas-Veranstaltung geben."

In sieben Jahren hat Klopps Team in der Tat die ein oder andere "Vollgas-Veranstaltung" abgeliefert. Dortmund legte eine unvorstellbare Erfolgsserie hin und begeisterte Millionen Fußball-Fans weltweit. Dortmund feierte Titel und sich selbst. Es war eine über Jahre andauernde Ekstase. Doch in dieser Saison stockte die Entwicklung plötzlich. Leistungsträger weg und kein gleichwertiger Ersatz vorhanden, alte Stars verletzt oder satt - Klopp erkannte die Notlage erst sehr spät, probierte, rotierte - und machte selber Fehler.

Vollgas-Klopp wurde langsamer

Klopp ist dabei wie sein Spiel. Ein Vollgas-Mensch. Das merkte jeder Fan von Beginn an. Ausraster am Spielfeldrand, emotionale Appelle in Pressekonferenzen: Beim BVB war er damit genau der Richtige. Ehrlich, unverstellt, manchmal unnahbar, aber irgendwie immer ein Kumpel. Ein Vollgas-Kumpel. Klopp sagte auf der Pressekonferenz zwar, er sei nicht müde. Doch ganz offensichtlich war Klopps Vollgas-Modus nicht mehr ganz so schnell wie noch vor ein paar Jahren.

Darum ist der Schritt, aufzuhören, für alle Beteiligten richtig. Klopp selber kann durchatmen oder sich auf eine neue Aufgabe in einem neuen Umfeld konzentrieren. Der BVB kann sich von Klopp lösen, muss nicht seinem Kumpel dabei zusehen, wie er langsamer wird, muss nicht mit ihm in alten Zeiten schwelgen, um die Liebe zu bestätigen. Der beste Kumpel, er musste weg. Und ehrlich wie er ist, gibt er es als erster öffentlich zu.

Nur die Besten lösen ihre Versprechen ein

Die Fans trauern nun zu Recht. Wenn die Besten gehen, verursacht das Schmerzen. Doch die Besten lösen ihre Versprechen ein, und darum kann man sie in bester Erinnerung behalten. Jürgen Klopp sagte beim Amtsantritt 2008: "Mein Ziel ist es schon, den Verein dorthin zu bringen, wo er einmal war. Wir müssen uns nur über die Schrittlänge auf dem Weg dorthin einigen."

Klopp hat sein Ziel erreicht, fast übererfüllt. Er hat den Club wieder in die internationale Elite geführt. Da ist der BVB trotz einer schlechten Zwischensaison wirtschaftlich immer noch. Eine weitere Durchhänger-Saison kann er sich allerdings kaum erlauben. Nun darf ein neuer Trainer das Team herausfordern. "Der Verein ist größer als wir alle", sagte Klopp zum Abschluss. Eben. Er ist auch größer als der beste Kumpel.

Themen in diesem Artikel