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"111 Gründe, München zu lieben": Nachhilfe für Lokalpatrioten

Nirgendwo auf der Welt ist es so schön wie in der Heimatstadt - das sagen auch die Münchner. Ein neues Buch soll nun auch den letzten skeptischen "Saupreiß" überzeugen.

München zu lieben fällt nicht schwer. Das Wetter ist meist besser als in anderen Teilen Deutschlands, das Bier schmeckt hervorragend, die Brezn sind - trotz Protesten aus Baden-Württemberg - die wahrscheinlich besten der Republik und zum Oktoberfest wird die Theresienwiese zu so etwas wie dem gesellschaftlichen Zentrum Deutschlands.

Laut einer Studie des Bayerischen Rundfunks leben 95 Prozent der Bayern gerne in ihrem Freistaat. Trotzdem gibt es in den Weiten und vor allem im Norden der Republik Skeptiker, die Berlin oder gar Hamburg für die bessere Stadt halten. Ein neues Buch will das nun ändern. "111 Gründe, München zu lieben" haben die Autoren Evelyn Boos und Andreas Körner zusammengetragen. In kleinen, nur wenige Seiten umfassenden Geschichten wollen sie dem Leser die Besonderheiten der bayerischen Landeshauptstadt nahe bringen. Das Buch ist, so lautet der Untertitel, "eine Liebeserklärung an die großartigste Stadt der Welt" und versucht gar nicht erst, objektiv zu sein. Wer übrigens mit der Lobhudelei für München nichts anfangen kann, kann auf die Liebeserklärungen für andere Städte ausweichen. Zeitgleich mit "111 Gründe, München zu lieben" kamen die Bücher auch für Hamburg und Berlin auf den Markt.

Sahnestücke

Natürlich haben die beiden Autoren die - zumindest für Münchner - ganz offensichtlichen Sahnestücke ausgegraben: die Wiesn, die knackigen Surfer auf der Eisbachwelle, den Viktualienmarkt und das Starkbier vom Nockherberg. Doch sie haben auch ganz eigenwillige Kriterien für ihre Liebe zu München: "Weil die CSU glaubt, dass sie das Einparteiensystem demokratiefähig gemacht hat", ist einer ihrer 111 Gründe. Oder "Weil die Sprache der Münchner so vielschichtig und hinterfotzig sein kann."

Als Beispiele dafür nennen Boos und Körner die "Noagerl" (Reste aus dem Bierkrug) oder den "Gschaftlhuaba", einen durch übertriebenen Aktionismus unangenehm auffallenden Menschen.

Wenig originell, aber verliebt

Sonderlich originell sind die Liebesgründe, die die beiden seit Jahren in München lebenden Autoren auflisten, zwar nicht. Und ein realistisches Bild dieser Stadt, die nun einmal die teuerste in Deutschland ist und möglicherweise nicht mehr das kreative Zentrum, das sie einmal war, zeichnen sie auch nicht. Aber bei Liebeserklärungen ist die rosarote Brille ja fast obligatorisch.

Das Buch ist allerdings eine gute Bestandsaufnahme, die jedem Neu-Münchner die Orientierung sicher erleichtern und jedem überzeugten Münchner die Vorzüge seiner Heimatstadt immer wieder vor Augen führen kann. "Viele werden für sie unbekannte Facetten ihrer Stadt entdecken", sagt Autorin Boos nach Verlagsangaben. "Aber es macht ja stets auch Freude, etwas über vertraute Dinge zu lesen."

Britta Schultejans/DPA / DPA