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"Ansichten eines Hausschweins": Martensteins kleine Meisterwerke

Harald Martenstein zählt zu Deutschlands bekanntesten Kolumnisten. Seine kurzen Texte sind oft kleine Meisterwerke: pointiert, intelligent und witzig. Eine Auswahl der besten davon ist gerade unter dem Titel "Ansichten eines Hausschweins" erschienen.

Harald Martenstein ärgert sich regelmäßig. Über die S-Bahn in Berlin zum Beispiel oder über vorschnelle Kritik an Besserverdienenden. Andere Leute werden dann sauer, manche gewalttätig. Martenstein schreibt eine Kolumne. Das ist eindeutig die bessere Alternative und ganz sicher die unterhaltsamere. Die Texte, die auf diese Weise entstehen, sind eine Klasse für sich.

Manche sind so komisch, dass man sich wegwerfen möchte vor Lachen, die anderen immer noch so amüsant, dass sie an dunklen Herbsttagen die Laune heben helfen. Und fast alle sind so gut, dass es sich jedenfalls lohnt, sie zu lesen. Eine Auswahl ist gerade unter dem Titel "Ansichten eines Hausschweins" erschienen.

Ohne langen Anlauf

Wenn es mal keinen Grund gibt, sich zu ärgern, dann findet Martenstein sicher einen, sich zumindest zu wundern. Über das skurrile Gedicht von Karl-Heinz Rummenigge auf Franz Beckenbauer zum Beispiel, über die Frage, warum Polizisten Autofahrer verdächtig finden, die das Tempolimit nicht überschreiten oder über die steuerrechtliche Notwendigkeit, Fahrtenbücher zu führen. Auch daraus wird dann eine Kolumne. Es spricht für die Kreativität des Berliner Autors und Kischpreisträgers, dass er aus scheinbar banalen Anlässen ohne langen Anlauf zu nehmen, intelligente Texte macht. Umso anerkennenswerter ist, dass er dafür nicht viel Platz braucht.

Der Weg zur Pointe ist bei Kolumnisten stets kurz. Wenn es dumm läuft, bleibt es beim Kalauer. Das passiert Martenstein nie, dazu nimmt er die Sache zu ernst. Und das ist auch gut so. Der Verlag behauptet, das neue Buch enthalte "Martensteins beste Glossen aus den vergangenen Jahren". Man kann sich fragen, wer das wohl nach welchen Kriterien ermittelt hat und solchen Best-of-Produkten mit Skepsis gegenüberstehen. In diesem Fall stimmt aber sicher: Es sind Kolumnen, die zurecht noch einmal in Buchform erscheinen.

Andreas Heimann/DPA / DPA
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