"Harry Potter" Die Buchbranche sucht schon den Nachfolger


Die deutsche Veröffentlichung des vorletzten "Harry Potter"-Buches steht kurz bevor. Doch schon bald wird viele Fans der Katzenjammer ereilen: Nach dem siebten Band ist endgültig Schluss. Und ein Nachfolger noch nicht in Sicht.

Angesichts des bevorstehenden Endes der Potter-Reihe bleibt Anhängern nur, nach anderen Büchern Ausschau zu halten, die ebenso fesseln können wie die Abenteuer im Zauberinternat Hogwarts. "Seit Harry Potter interessieren sich viel mehr Erwachsene auch für Jugendbücher", sagt Kathrin Burmeister, Leiterin der Kinderbuch-Abteilung der Buchhandlung Thalia in Rostock. "Das liegt eindeutig im Trend." Viele Kunden fragen sie seit Beginn der Potter-Manie auch gezielt nach Alternativen und ähnlichen Büchern. Ihnen empfiehlt sie beispielsweise die "Eragorn"-Serie von Christopher Paolini: "Das ist eine tolle Geschichte um Drachen und Drachenreiter ein bisschen wie 'Herr der Ringe' von J. R. R. Tolkien." Selbst noch ein Teenager, hat der von Kritikern hoch gelobte Autor eine komplexe Fantasy-Welt mit Elfen und Zwergen geschaffen, in der sich der Titelheld beweisen muss.

Ein weiteres Highlight in der Welt der Fantasy-Bücher ist der Kinderbuch-Expertin zufolge die als Trilogie angelegte Reihe "Bartimäus" von Jonathan Strond, aus der mit "Das Amulett von Samarkand" und "Das Auge des Golem" bislang zwei Bände erschienen sind. Im Mittelpunkt des für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2005 nominierten Werkes stehen der freche Dschinn Bartimäus und der Junge Nathanael, die nicht ganz freiwillig als Team das Böse bekämpfen. Insgesamt habe der Erfolg der Harry-Potter-Bücher sicherlich zu einem Anstieg der Fantasy-Neuerscheinungen geführt, sagt Burmeister: "Aber ich habe nicht den Eindruck, dass da viel abgekupfert ist. Es gibt viele eigenständige und sehr gute Bücher." Dazu zählt sie auch die Samurai-Trilogie "Clan der Otori" der Australierin Lian Hearn, die allerdings erst ab einem Lesealter von 14 Jahren empfohlen werde. Sie erzählt die Geschichte des jungen Otorikriegers Takeo, der sowohl im Namen der Gerechtigkeit als auch um seine Liebe kämpft. Der erste Teil wurde 2004 mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.

Rowling empfiehlt die Narnia-Chroniken von C.S. Lewis

In den USA regelrechten Kultstatus hat die unter dem Autoren-Pseudonym "Lemony Snicket" veröffentlichte Serie "Eine Reihe betrüblicher Ereignisse" erreicht. Die gelegentlich als Antwort der USA auf Joanne K. Rowling bezeichneten Bücher beschreiben das höchst betrübliche, fürchterliche und skurril anmutende Schicksal der Waisen Klaus, Violet und Sunny Baudelaire. Auf der Flucht vor dem fiesen Graf Olaf, der nach ihrem Vermögen trachtet, erleben die Kinder so viel Schreckliches und Absurdes, dass der Leser sich trotz allen Mitleids auch das Schmunzeln nicht verkneifen kann.

Neben solchen Alternativen der magischen Bücherwelt können die Fans von Harry Potter auf die mehr oder weniger gute Sekundärliteratur zu ihrem Lieblingshelden zurückgreifen. Analysen und Essays zu den Potter-Büchern gibt es zuhauf. Nur in englischer Sprache sind zwei von Rowling persönlich verfasste Hefte zu haben: "Fantastic Beasts and where to find them", in dem die magische Tierwelt um Harry Potter beschrieben wird, und "Quidditch through the ages", das detailreich auf die Geschichte seines auf fliegenden Besen betriebenen Lieblingssports eingeht.

Rowling selbst hat zudem bereits häufiger in Interviews über ihre eigenen Lese-Vorlieben geredet und dabei unter anderem auf die Narnia-Chroniken von C.S. Lewis hingewiesen. Seit fünf Jahrzehnten findet die zeitlose Buchreihe um die Kinder Lucy, Edmund, Susan und Peter, die in das geheimnisvolle Land Narnia geraten, immer neue Fans. Zudem gewinnt sie gerade neu an Aktualität: Die spannende Geschichte um Zwerge, Zentauren und andere Fabelwesen ist neu verfilmt worden und soll im Winter in die Kinos kommen.

Nicole Lange/AP AP

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