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Autor von "Tschick" und "Sand": Herrndorf erhält Preis der Leipziger Buchmesse

Der Autor Wolfgang Herrndorf ist für seinen Thriller "Sand" mit dem Leipziger Buchmesse-Preis ausgezeichnet worden. Dass der Roman überhaupt fertig wurde, ist ein großes Glück, denn Herrndorf kämpft mit dem Tod.

Der schwer krebskranke Berliner Autor Wolfgang Herrndorf ist mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet worden. Der Schriftsteller erhielt die Ehrung am Donnerstag für seinen Roman "Sand". Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert. Herrndorf nahm wegen seiner Krankheit an der Preisverleihung nicht teil.

"Sand" ist ein Thriller, ein Spiel um Gewalt, Verfolgung, Selbstsuche und Tod. In der Begründung der Jury hieß es: "Was diesen Roman so einzigartig macht, ist, mit welcher Leichtigkeit, welcher Eleganz im Ton und welchem Sinn von Komik Wolfgang Herrndorf diese absolute Alptraumszenerie erzählt."

Den ebenfalls mit 15.000 Euro dotierten Preis in der Sparte Sachbuch und Essayistik erhielt Jörg Baberowski für sein Buch "Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt". Der Übersetzerpreis wurde Christina Viragh zugesprochen für die Übertragung von Peter Nádas' "Parallelgeschichten".

"Keine Anfragen, keine Interviews, keine Lesungen"

Preisträger Herrndorf leidet seit 2010 an einem unheilbaren Hirntumor. Lange war unsicher, ob er seinen nun prämierten Agententhriller überhaupt noch fertigbekommen würde. Im Vorjahr hatte er bereits mit seinem Bestseller "Tschick" auf der Nominierungsliste des Buchpreises gestanden.

"Keine Anfragen, keine Interviews, keine Lesungen", steht auf der Internetseite des 1965 in Hamburg geborenen Autors. Nur in seinem Blog "Arbeit und Struktur" gibt er Auskunft über den Fortgang der Krankheit. Der aus einem "sehr kleinbürgerlichen Haushalt" stammende Herrndorf hatte ursprünglich in Nürnberg Kunst studiert und zunächst als Illustrator gearbeitet, unter anderem für das Satiremagazin "Titanic".

Sein erster Roman "In Plüschgewittern" (2002) fand wenig Aufmerksamkeit. Doch schon beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2004 konnte der Newcomer mit einer Kurzgeschichte aus dem Stand den Publikumspreis einheimsen. Mit "Tschick" landete er schließlich 2010 den Überraschungserfolg des Jahres: Die komisch-traurige Abenteurergeschichte ist längst Kult. Den Thriller "Sand" hatten die Leser in der Internetabstimmung der Buchmesse mit 32 Prozent schon zu ihrem Favoriten gekürt.

mlr/DPA / DPA