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Autorenstreit: Für und wider Harry Potter

Harry Potter erregt nicht nur Kindergemüter: Jetzt streiten sich auch große Autoren wie Stephen King und Antonia S. Byatt über den Wert der Geschichten um den Zauberlehrling.

Der neue Harry Potter hat in Großbritannien und den USA einen Autorenstreit entfacht. Während Horror-Schriftsteller Stephen King das Buch in den höchsten Tönen lobte, veröffentlichte die britische Booker-Preisträgerin Antonia S. Byatt («Die Jungfrau im Garten»/«Das Geheimnis des Biografen») einen bösen Verriss in der «New York Times» und im Londoner «Daily Telegraph» (Donnerstagsausgabe).

Darin tat die 66-Jährige die Bestseller-Serie von Joanne K. Rowling als «Ersatzmagie» ab. «Rowling spricht eine Generation von Erwachsenen an, die echte Mystik nicht mehr kennt», schrieb sie. «Sie bevölkert einen urbanen Dschungel, nicht die richtige Wildnis.» «Harry Potter and the Order of the Phoenix» sei «geschrieben für Leute, deren Fantasie sich auf Zeichentrickfilme und die übertriebene Spiegelwelt von Soap-Serien, Reality-TV und Promi-Klatsch beschränkt». Die Tiefe anderer Fantasy-Schriftsteller wie J.R.R. Tolkien erreiche Rowling bei weitem nicht.

Der amerikanische Literaturkritiker Charles Taylor warf Byatt daraufhin Neid und Hochmut vor. Die «unangenehme Wahrheit» sei, dass sie in der Literaturgeschichte einmal als Fußnote enden werde, während Rowling einen Platz unter unsterblichen «nicht literarischen» Autoren wie Alexandre Dumas («Die drei Musketiere») und Conan Doyle («Sherlock Holmes») sicher sei. Stephen King beschrieb Rowling als eine Geschichtenerzählerin, die «nur so strotzt vor verrückten lebendigen Ideen». Ihre neueste Figur, die sanft lächelnde Professorin Dolores Umbridge, sei der überzeugendste Bösewicht seit dem Kannibalen Hannibal Lecter.