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Bestseller 2005: Kochen, fantasieren und bloß nicht lachen

Blickt man auf die bestverkauften Bücher des Jahres, ergibt sich ein erschreckendes Bild vom geistigen Zustand der Nation: Große Literatur ist ebensowenig zu finden wie seriöse Sachbücher. Dafür macht sich dort ein Fast-Regierungssprecher breit.

"Harry Potter und der Halbblutprinz", Peter Hahnes "Schluss mit lustig" und Tim Mälzers "Born to Cook" sind laut den Bestseller-Jahreslisten von "Spiegel" und "Focus" die meistverkauften Bücher 2005. In der Sparte Belletristik stimmen die unabhängig voneinander ermittelten Listen überein: Auf Platz eins liegt das sechste Abenteuer des inzwischen jugendlichen Zauberschülers Potter. Bei den Sachbüchern unterscheiden sich die Listen: Beim "Focus" steht das Mälzer-Kochbuch an erster Stelle, beim "Spiegel", der Kochbücher nicht in seine Listen aufnimmt, das Hahne-Buch über Werte und das Ende der Spaßgesellschaft.

Der sechste "Harry Potter"-Band war am 1. Oktober auf Deutsch erschienen. Binnen weniger Tage waren bereits eine Million Exemplare verkauft, mittlerweile sind es nach Angaben des Hamburger Carlsen Verlags drei Millionen. "Born to Cook", erschienen im Oktober 2004, ging nach Angaben des Goldmann Verlags (München) bisher rund 900.000 Mal über die Ladentheken. Inzwischen gibt es die Fortsetzung "Born to Cook II", das auf der "Focus"-Jahresbestsellerliste auf Rang sechs steht. Von Peter Hahnes Büchlein "Schluss mit lustig" wurden seit November 2004 mehr als 500.000 Exemplare verkauft. Damit ist das Buch mit Abstand der größte Erfolg in der Geschichte des kleinen Johannis Verlags in Lahr (Baden-Württemberg).

Verschwörungsthriller beliebt

Auf den weiteren Plätzen finden sich in der Belletristik Dan Browns Bestseller "Sakrileg", "Diabolus" und "Illuminati", die englische Ausgabe von Harry Potter 6 und François Lelords "Hectors Reise" (Piper). Bei den Sachbüchern folgen auf den vordersten Rängen Sabine Kueglers "Dschungelkind" und Ben Schotts "Sammelsurium Essen & Trinken" sowie - auf der "Focus"-Liste an zweiter Stelle - die 23. Auflage des Duden. Die "Spiegel"-Liste verzeichnet keine Nachschlagewerke.

Beide Bestsellerlisten bilden die Buchverkäufe in deutschen Buchhandlungen ab, jedoch werden die Listen auf unterschiedliche Weise ermittelt. Für das "Spiegel"-Ranking ermittelt das Fachmagazin "buchreport" wöchentlich die Verkaufszahlen per elektronischer Abfrage in rund 250 repräsentativ ausgewählten Buchläden. Für die wöchentlichen "Focus"-Bestsellerlisten ermittelt das Marktforschungsinstitut media control die Verkaufszahlen in bundesweit rund 750 Buchhandlungen, Kaufhäusern und im Online-Verkauf. Aus den wöchentlichen Verkaufszahlen wurden jeweils die Jahres-Ranglisten errechnet.

DPA / DPA