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Bodo Kirchhoff: Finanzkrise trifft "Feuchtgebiete"

Ein Investmentbanker lernt bei seinem Kuraufenthalt eine Schriftstellerin kennen, die einen Bestseller über Hämorrhoiden geschrieben hat: In seinem neuen Roman hat Bodo Kirchhoff gleich zwei große Themen der letzten zwölf Monate schnell zusammengerührt. Da bleibt der Tiefgang schon mal auf der Strecke.

Bodo Kirchhoff liebt den Schund und den Sex. Vor allem um das letztere Thema kreist das Werk des 60-jährigen Autors ("Infanta", "Parlando") seit vielen Jahren. Dem Hang zur Kolportage hat er in seinem 2002 veröffentlichten "Schundroman" ausgiebig gefrönt - eine Satire auf den Literaturbetrieb im Umkreis der Frankfurter Buchmesse. In seinem neuen Schundroman mit dem Titel "Erinnerungen an meinen Porsche" will Kirchhoff nun den ganzen Irrsinn um geldgierige Banker in einer immer zügelloseren Gesellschaft einfangen. Im Mittelpunkt steht ein noch relativ junger Frankfurter Investmentbanker, der in einer Kurklinik im Schwarzwald landet und auf sein Leben blickt.

Ich-Erzähler Daniel Deserno ist - wie übrigens auch Kirchhoff - ein Fan schneller Autos. Dabei ist allerdings der Porsche nur ein Synonym für das Geschlechtsorgan von Deserno, das dieser gerne im Kontakt mit dem attraktiven weiblichen Umfeld ausfährt. Nun hat ausgerechnet aber Desernos Freundin Selma beim Streit unter dem Weihnachtsbaum mit einem Edelkorkenzieher Desernos Glied - und ganzen Stolz - ruiniert. Jetzt fährt der lädierte Deserno mit dem Rollstuhl durch die edle Klinik im Schwarzwald. Patientin ist dort auch eine Autorin, die mit einem Buch über Hämorrhoiden einen Bestseller geschrieben hat. Hinter Helene, in die sich der kurende Banker verliebt, ist unschwer Charlotte Roche mit ihren "Feuchtgebieten" zu erkennen.

Kirchhoff - von den "Feuchtgebieten" auf seine Art inspiriert - tobt sich nach Herzenslust aus: Desernos Sexualleben, dem Kirchhoff einen Großteil des Buches einräumt, ist so triebgesteuert wie sein Umgang mit Derivaten und Zertifikaten. Das Buch ist gespickt mit Anspielungen und Seitenhieben. Die Mutter Desernos ist eine Altlinke, die immer noch in einer WG wohnt. Seine Freundin arbeite für eine Kulturstiftung.

Kirchhoff schreibt das routiniert herunter, und das finanztechnische Vokabular ist ihm auch gut vertraut. Nur machen das Thema Sex und Banken - gepaart mit ein bisschen Branchenkritik - aus dem Roman noch lange keinen "aberwitzigen Kommentar zu den Krisen in der Welt des Geldes und der Literatur", wie die gerne Verlagswerbung glaubhaft machen möchte. Dafür ist die Satire zu flach und das Buch ohne Tiefgang - da hilft auch nicht, dass es sich hinter dem Etikett "Schundroman" versteckt.

Thomas Maier/DPA