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Buchkritik

"Abgefackelt" von Michael Tsokos: Paul Herzfeld schnüffelt wieder - dieser Krimi beruht auf einem wahren Verbrechen

"Abgeschlagen" wurde bereits mit Lars Eidinger und Moritz Bleibtreu verfilmt. Nun hat Michael Tsokos mit "Abgefackelt" einen Nachfolger veröffentlicht. Wieder steckt Rechtsmediziner Paul Herzfeld seine Nase in Angelegenheiten, die ihn nichts angehen.

Michael Tsokos

Prof. Michael Tsokos ist im echten Leben Chef der Rechtsmedizin an der Berliner Charité.

DPA

Paul Herzfeld ist zurück. Der Rechtsmediziner hat sich auf einen vermeintlich ruhigeren Posten versetzen lassen. Der so ruhig nicht bleibt, und daran ist er, natürlich, selber schuld. Zu viele Fragen, die er stellt, er steckt seine Nase wieder mal in Angelegenheiten, die ihn eigentlich nichts angehen. Zu schön, dass er sich trotzdem interessiert für seinen seltsamen Vorgänger, der mitsamt Gewebeproben an seinem Arbeitsplatz verbrannte.

"Abgefackelt" ist bereits der zweite Band der Reihe um Paul Herzfeld, deren erster Teil "Abgeschlagen" bereits mit Lars Eidinger und Moritz Bleibtreu verfilmt wurde.

Michael Tsokos ist eigentlich Rechtsmediziner

Das mit den Fragen und das mit der Nase hat Herzfeld übrigens gemein mit seinem Schöpfer, Prof. Michael Tsokos, im echten Leben Chef der Rechtsmedizin an der Berliner Charité. Auch Tsokos steckt seine Nase gern in angrenzende Angelegenheiten, die er dann zu Bestsellern verarbeitet.

"Abgefackelt" von Michael Tsokos

"Abgefackelt" von Michael Tsokos erscheint am 3. Februar bei Knaur Taschenbuch und kostet 14,99 Euro.

Paul Herzfeld gibt es in Wahrheit nicht, aber auch sein zweiter Fall ist von einem wahren Verbrechen inspiriert: In den 1990er Jahren wurden in Deutschland mehreren Hundert Frauen aufgrund wohl vorsätzlich falscher Brustkrebs-Diagnosen die gesunden Brüste amputiert. Zentrale Figur der "Brustkrebs-Affäre" war ein Pathologe, der erst seine Gewebeproben und dann sich selbst in Brand setzte. Tsokos und sein Co-Autor machen daraus eine atemberaubend realistische Verschwörungsstory, in der die Gesundheit einer gesamten Region auf dem Spiel steht.

Was den echten Berliner Rechtsmediziner dazu antreibt, neben den echten Dramen, die er auf dem Seziertisch bewältigen muss, sich auch noch mit fiktionalen Kriminalfällen zu befassen? "Das ist meine Art von Begeisterung für mein Fach, aber auch eine Methode, um berufliche Erlebnisse zu verarbeiten", sagt Tsokos, "meine Art der Therapie. Ist doch besser als Tabletten oder Alkohol". Man fragt sich allerdings, was wohl passieren wird, wenn sich Michael Tsokos, der auch Fortbildungen macht, Vorträge hält, oder Spurensicherungskästen für fachbegeisterte Jugendliche entwickelt, irgendwann einmal auf eine ruhigere Position versetzen lässt.