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Charlotte Roche "Ohne Sex habe ich Angst"


Der Verkauf ihres neuen Romans "Schoßgebete" läuft gut an. Autorin Charlotte Roche hält sich weiter in der Öffentlichkeit. In einem Interview spricht sie über ihre Wahrnehmung von Sex und fordert zu einem offeneren Umgang mit dem Thema auf.

Skandal-Autorin Charlotte Roche (33) bekommt ohne Sex Angst. "Sex ist so lebensbejahend, weil er ohne den Kopf auskommt, nur der Körper agiert", sagte sie dem "ZEITmagazin". "Wenn ich mit meinem Mann schlafe, muss ich an nichts mehr denken, vergesse alle meine Ängste. Wenn ich keinen Sex habe, habe ich Angst."

Roche hat am Mittwoch ihren zweiten Roman "Schoßgebete" auf den Markt gebracht. Wie bei ihrem ersten Buch "Feuchtgebiete" nimmt sie auch dieses Mal kein Blatt vor den Mund und schildert detailreich Sex-Szenen der Protagonistin Elizabeth und ihres Mannes Georg.

Ernst genommen werden wolle sie nicht, sagte Roche dem Magazin. "Wenn jemand mein Buch falsch versteht, dann mache ich doppelt und dreifach mit. Wenn mich jemand auf Pornografie reduzieren will, dann sage ich: Gern, und steige voll drauf ein. Alles andere finde ich total peinlich." Dennoch plädiert sie für einen offenen Umgang mit dem Thema Sex: "Jeder Tabubruch, zum Beispiel ein offenes Gespräch über Sex, ist gut, hebt die Isolation auf, die wir alle empfinden."

Autobiografische Züge

Die Protagonistin ihres ersten Romans "Feuchtgebiete", Helene Memel, sei eine reine Kunstfigur gewesen, sagte Roche. In ihr neues Buch floss dagegen viel Autobiografisches ein. So thematisiert die Erfolgs-Autorin und Moderatorin erstmals öffentlich den schrecklichen Tod ihrer drei Brüder, die 2001 bei einem Autounfall ums Leben kamen. Sie waren auf dem Weg zu Roches geplanter Hochzeit mit ihrem damaligen Freund in England.

"Schoßgebete" zum Verkaufsbeginn gut nachgefragt

Bei den Lesern scheint auch ihr zweiter Roman einzuschlagen. Mit einer Startauflage von 500000 Exemplaren ist es am Mittwoch in den Buchhandlungen erschienen. Der Verkauf sei sehr gut angelaufen, meldete etwa Hugendubel am Marienplatz in München. Der Absatz werde in den kommenden Tagen sicher noch steigen. Auf der Bestsellerliste von Hugendubel.de im Internet stand das Buch am Mittwoch ebenso auf dem ersten Platz wie beim Online-Buchhändler Amazon. Genaue Verkaufszahlen wurden nicht genannt.

"Das Buch verkauft sich sehr gut, was auch an den Medienberichten liegt", sagte die Sprecherin der Mayerschen Buchhandlung in Aachen, Simone Thelen. Je mehr Medienpräsenz eine Neuerscheinung habe, desto besser laufe der Verkauf. Auch aus Buchläden in Berlin, Stuttgart und Hamburg hieß es, die Nachfrage sei hoch.

Verhaltene Resonanz dagegen beim Buchhaus Stern-Verlag in Düsseldorf. "Der Verkauf hält sich noch in Grenzen. Das dauert noch ein paar Tage, bis das richtig anläuft", sagte die Einkaufsleiterin Ingeborg Schöllgen. Das sei bei Neuerscheinungen aber ganz normal. Auch in Hannover lief der Verkauf eher schleppend an. So rüstete sich die Buchhandlung Lehmanns media mit 300 Exemplaren für den erwarteten Ansturm auf das neue Buch von Charlotte Roche - weit mehr als die Buchhandlung sonst vorrätig hat, verriet Buchhändlerin Marlis Treder. Die Nachfrage war zunächst allerdings noch nicht allzugroß, denn am Vormittag wurden gerade erst zehn Exemplare verkauft.

liri/DPA DPA

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