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Demenzkranker Vater: Tilman Jens verteidigt umstrittenes Buch

Der Tübinger Professor Walter Jens, der einst als größter Rhetoriker Deutschlands galt, leidet an Demenz. Sein Sohn Tilman hat ein Buch über die Krankheit seines berühmten Vaters geschrieben und damit für viel Wirbel gesorgt. Gegenüber dem stern wehrt sich Tilman Jens gegen den Vorwurf der Pietätlosigkeit.

Tilman Jens, Sohn des Tübinger Rhetorikprofessors Walter Jens, wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe mit seinem umstrittenen Buch über die Demenzkrankheit seines Vaters eine Pietätlosigkeit begangen: "Eine Krankheit zu beschreiben, mit allem, wie das einen Menschen verändert, ist für mich nicht unwürdig", sagte der Journalist in einem Streitgespräch in der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des stern.

Jens interpretiert die Krankheit seines Vaters als politische Demenz und sieht sein Buch als legitime Form der Trauerarbeit: "Ich formuliere meine Trauer darüber, dass mein Vater, der mit 19 in die NSDAP eintrat und nie einer Fliege etwas zuleide tat, an der Verdrängung, am Verschweigen seiner NSDAP-Mitgliedschaft zerbrach."

Der 55-Jährige bestreitet gegenüber dem stern, unter einem übermächtigen Vater gelitten zu haben - sein wahres Problem sei immer die Mutter gewesen: "Sie war mit der Sozialisierung meines egozentrischen Vaters beschäftigt. Wenn ein Manuskript stockte, ging er auf den Balkon und sagte: 'Ich stürz mich runter!' Das war nicht nur beruhigend für ein kleines Kind. So richtig Trost gefunden habe ich als Kind bei meiner Mutter selten."

Diese Vorabmeldung ist mit Quellenangabe zur Veröffentlichung frei.

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