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Neues Album Die Helene-Hasser kommen

Helene Fischer in ihrem neuen Video zum Song "Volle Kraft voraus"
Helene Fischer in ihrem neuen Video zum Song "Volle Kraft voraus"
© Screenshot/Helene Fischer
Helene Fischer bekommt für ihr neues Album "Rausch" nicht nur Lob. Besonders Feuilletonisten ergehen sich in Ätz-Tiraden. Fair ist das nicht.

Kritik an ihr galt bislang als Sakrileg. Helene Fischer schrieb in den vergangenen Jahren eine fantastische Erfolgsgeschichte. Was sie sang, wurde zum Hit. Selbst die Feuilletonisten, sonst meist nicht zimperlich in ihrem Urteil, waren gnädig mit der Schlagerqueen. Der Erfolg gab ihr schließlich recht. Doch mit ihrem neuen Album "Rausch" scheinen die Helene-Hasser Morgenluft zu wittern.

"Nach dem Hören des Doppelalbums in seiner vollen Länge stellt sich aber selbst einem Musiksüchtigen die Frage: Wenn es entweder gar keine Musik mehr gäbe oder nur die von Helene Fischer, was wäre dann die bessere Option?", fragt die Autorin der "Süddeutschen Zeitung" und spricht von "Pflegepersonal-Support-Song" (hören die schlechtere Musik?) und "Eurodance-Stampf", um schließlich zum Urteil zu gelangen: "Fischer sollte aufhören, Musik zu machen … ." Hier finden sie den Artikel bei sueddeutsche.de (kostenpflichtig).

Helene Fischer wird verrissen

Spätestens dann dürfte den meisten "Süddeutsche"-Lesenden klar sein: Die Autorin mag Fischers Musik nicht besonders. Auch auf Spiegel-Online heißt es: "Knapp eineinhalb Stunden semantischen Pudding liefert 'Rausch'." So als wären die meisten englischen Texte viel besser. Doch ist das neue Album "Rausch" wirklich so schlecht? Im Gegenteil. Vielmehr scheint die Fundamentalkritik an der guten deutschen Gewohnheit anzuknüpfen, alles nieder zu machen, was in der Vergangenheit Erfolg hatte. Das ist nicht nur unfair, sondern ignorant – und ganz schön arrogant.

Darf man jetzt nicht mal mehr sagen, dass Helenes Musik schlecht ist? Doch, darf jeder. Aber stimmen die Relationen? Musikdeutschland besteht eben nicht nur aus Elbphilharmonie-Konzerten. Wir sind keine Popnation wie das Vereinigte Königreich oder Schweden, sondern hören Songs wie "Dicke Titten, Kartoffelsalat" und Schunkelschlager bei Stefan Mross. Und, man muss es so deutlich sagen: Im Gegensatz dazu ist die Musik Helene Fischers mozartesk.

18 Monate lang arbeitete Fischer an "Rausch". Hinter den Songs steht ein großes, internationales Team für Produktion, Songwriting und Texten, unter anderen mit Axel Bosse, Farsad „Fayzen“ Zoroofchi und Alexander "Ali" Zuckowski dabei. Herausgekommen ist ein Album, das mit internationalen Produktionen mithalten kann. Mal balladig, mal tanzbar. Und ja, durchgestylt. Denn Fischers Musik ist immer darauf ausgerichtet, bei großen Konzerten und Live-Events bestehen zu können. Und sie zeigt wieder einmal, was technisch machbar ist. Helene ist State of the Art. Und auch stimmlich hat sie keinerlei Nachholbedarf.

Die Zuhörer dürfen über Hits entscheiden

Das sagt noch nichts darüber aus, ob einem die Musik gefällt. Muss sie gar nicht. Aber offenbar gibt es genug Menschen, denen sie gefällt. In den Charts ist ihr Album jedenfalls sowohl bei iTunes als auch bei Amazon sofort auf Platz eins geschossen. Ob ihre Lieder Hits werden, dürfen die Zuhörer entscheiden. Und zum Glück nicht Feuilletonisten.

Wer sich so rein gar nicht mit den Songs anfreunden kann, den kann vielleicht ein Satz milder stimmen, den ein Mitarbeiter des PR-Teams am Wochenende auf Facebook postete: "Ich bin vielleicht kein Fan ihrer Musik, aber definitiv von ihr als Mensch."


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