Historische Romane Deftiges aus dem Mittelalter


Ob mittelalterliche Abenteuer, viktorianische Verwicklungen oder antike Alltagstragödien: Romane, die vor einem historischen Hintergrund spielen, haben nach wie vor Hochkonjunktur.

Mit dem Welterfolg von Umberto Eccos "Der Name der Rose" fing es an, und Robert Harris hat es zuletzt mit "Pompeji" bewiesen: Historische Romane sind von den Bestsellerlisten nicht mehr wegzudenken. Immer wieder wartet ein großer Teil des Leserpublikums begierig auf neue Geschichten vor altem Hintergrund - seien es mittelalterliche Abenteuer, viktorianische Verwicklungen, antike Alltagstragödien oder Liebe und Leid in amerikanischen Pionierzeiten. Genaue Zahlen gibt es nach Aussage des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels nicht. Die Verlage aber halten die Nachfrage nach historischen Romanen für ungebrochen.

Das Genre hat mittlerweile eine feste Fangemeinde, die sich auch eifrig im Internet über die neuesten Veröffentlichungen auszutauschen pflegt. Und viele Verlage suchen händeringend nach guten Manuskripten, denn eine flott geschriebene Geschichte aus der Vergangenheit verkauft sich in der Regel gut. Der klassische historische Roman wird dabei immer mehr von Büchern verdrängt, in denen sich die Genres mischen: historischen Frauenromanen etwa oder historischen Krimis.

Die Vergangenheit als Projektionsfläche

Besonders das Mittelalter hat es den deutschen Lesern und vor allem Leserinnen angetan. Offenbar gilt: Je weiter die Handlung zurück liegt, desto besser eignet sie sich als Projektionsfläche für die Fantasien des Autors und seiner Leser. Dies meint Marco Schneiders, Lektor der Verlagsgruppe Lübbe in Bergisch Gladbach. Die Faszination, in vergangene Epochen einzutauchen, wird hier zugleich zu einer Faszination des Schreckens über brutale Lebensbedingungen, die in der heutigen wesentlich komfortableren Zeit nur staunen lassen. Denn deftig geht es zumeist zu in den Geschichten: Grausame Hinrichtungen, todbringende Seuchen und Naturgewalten sind, will man den Schriftstellern Glauben schenken, ebenso an der Tagesordnung wie bittere Armut und Entbehrungen, die heutige Mitteleuropäer zu tragen wohl nicht mehr imstande wären.

Leser achten auf historische Korrektheit

Genaue Recherchen über den historischen Hintergrund sind Bedingung für ein gutes Buch, denn die Leser achten sehr darauf, das alles stimmt. Brigitte Riebe etwa, Autorin von mehreren Erfolgstiteln ("Die sieben Monde des Jakobus"), weiß, wie sie vorgehen muss, schließlich ist sie promovierte Historikerin. "Wir sind alle Kinder unserer Zeit", sagt die Münchnerin, und deshalb ist es ihr wichtig, sich in ihre Protagonisten hinein zu versetzen. Zudem hat sie einen wissenschaftlichen Mitarbeiter, der für ihre Buchprojekte in den Archiven selbst das kleinste Detail aufstöbert.

Aus der Geschichte schöpfen

Auch für den Autor Peter Berling, einen Spezialisten für Geschichten aus dem Hochmittelalter ("Die Kinder des Gral") ist Geschichte eine große Leidenschaft, die ihn zeit seines Lebens begleitet hat. Er kennt nicht nur die Quellen des 12. und 13. Jahrhunderts, sondern hat auch die Länder bereist, in denen seine Romane spielen. Die Geschichte, meint Berling, der auch als Filmschauspieler Berühmtheit erlangt hat, ist eine ungeheuer reiche Stoffquelle, aus der sich schöpfen lässt.

Leser bemängeln Anachronismen

Bei aller Bereitschaft, sich in fantastische Welten fallen zu lassen, sind die Leser historischer Romane ein besonders kritisches Publikum. "Es gibt Kunden, die müssen es schon sehr genau haben", weiß Gertrud Löbling von der Stuttgarter Buchhandlung "Papyrus" zu berichten. Und Tilo Eckardt, Cheflektor des Münchner Heyne Verlages, bekommt wie seine Kollegen aus anderen Häusern immer wieder Post, in denen Anachronismen bemängelt werden.

Zuletzt beklagte sich ein Leser darüber, dass in einer Geschichte aus dem 17. Jahrhundert Blumen erwähnt werden, die es zur dieser Zeit noch gar nicht in Europa gegeben habe. Mehr als andere legten diese Leser großen Wert auf "Authentizität und Akkuratesse". Gleichwohl dürfe der Unterhaltungswert eines Buches nicht zu kurz kommen, betont Eckardt, schließlich sei es "kein Volkshochschulkurs". "Wenn Caesar sieben Jahre durch Gallien gezogen ist, dann ist dies zunächst einmal ziemlich langweilig", wenn nicht der Autor für Spannung sorgte.

Auch Berit Böhm vom Münchner Blanvalet Verlag konstatiert eine nach wie vor hohe Nachfrage nach historischen Romanen. "Vor allem das schottische Hochland geht gut", sagt Böhm als Sprecherin des Verlages, der bisher drei Millionen Exemplare von Diana Gabaldons Highlandsaga unter das Volk gebracht hat. Der Trend zu Geschichten mit starken Frauen komme jener großen Leserinnengruppe entgegen, die sich für Geschichte interessieren und eine Identifikationsfigur wünschen.

Susanna Gilbert, DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker