Das Mittelalter ist nicht gerade bekannt dafür, eine Blütezeit des Feminismus gewesen zu sein – zumindest in großen Teilen der westlichen Welt. Frauen hatten in der Regel die Wahl zwischen einer Hochzeit, die der Familie zumeist wirtschaftliche oder gesellschaftliche Vorteile bringen musste und wenig mit Liebe zu tun hatte, oder dem Eintritt in ein Kloster. Selbstbestimmung? Galt noch nicht als hohes Gut.
Doch auch im Mittelalter gab es immer wieder Frauen, die die strikten gesellschaftlichen Regeln durchbrachen. Und im 12. Jahrhundert erlangte in Spanien eine Gruppe Frauen sogar Ruhm durch etwas, das üblicherweise als rein maskulin galt: den blutigen Kampf auf dem Schlachtfeld.
Frauen erlangten Ruhm als Kämpferinnen
Die iberische Halbinsel zu der Zeit wurde gebeutelt durch Schlachten und Belagerungen. Die muslimischen Herrscher von al Andalus kämpften mit christlichen Monarchen um Land und Einfluss. Oftmals ging es hin und her – die Stadt Tortosa etwa war 1148 bereits von Ramon Berenguer IV., dem Grafen von Barcelona, von den Almoraviden – einer muslimischen Dynastie – rückerobert worden. Im Folgejahr aber, 1149, wurde sie erneut bedroht.
Eine muslimische Streitmacht rückte an und belagerte sie. Unerwartet. Weshalb die meisten männlichen Kämpfer mit dem Grafen von Barcelona und dem Rest der christlichen Streitkräfte zu diesem Zeitpunkt anderswo kämpften
Ritterorden gegen muslimische Armeen: Spanien im 12. Jahrhundert
Vielleicht hatten die Einwohner und Einwohnerinnen einfach genug – jedenfalls waren sie nicht bereit, ihre Stadt einfach jedem zu übergeben, der mit seiner Armee vor den Mauern stand. Obwohl der Stadtrat nach ersten Beratungen eine Kapitulation für die beste Lösung hielt. Eine nachvollziehbare Entscheidung, da man den muslimischen Soldaten schließlich nur eine Handvoll Männer entgegenstellen konnte.
Die Ratsleute hatten allerdings nicht mit den Frauen aus Tortosa gerechnet, die sich nun entschieden, etwas eigentlich Undenkbares zu tun: Sie zogen sich Männerkleidung an, griffen sich alles, was mit etwas Kreativität als Waffe gedeutet werden konnte – oft waren das Äxte –, und stellten sich zusammen mit den wenigen verbliebenen Männern den Angreifern entgegen.
Frauen verteidigten ihre Stadt
Und trotz fehlender Ausbildung und improvisierter Bewaffnung: Die schiere Entschlossenheit der Frauen – vielleicht auch der ungewöhnliche Anblick – sorgten tatsächlich dafür, dass die muslimische Armee schließlich kehrtmachte. Vielleicht hatten sie auch schlicht nicht mit einer signifikanten Gegenwehr gerechnet, da ihnen bekannt gewesen sein dürfte, dass die christlichen Armeen weit weg waren.
Was auch immer der ausschlaggebende Grund war: Tortosa blieb allein dank der kampfeslustigen Frauen ein erneuter Herrscherwechsel erspart. Und ausnahmsweise wurde der Einsatz der Frauen tatsächlich gutgeheißen und nicht verdammt: Als der Graf von Barcelona von den Geschehnissen in Tortosa erfuhr, rief er den "Orden von der Axt", den Orden del Hacha, ins Leben, der die Kämpferinnen der Stadt einschloss. Der einzige "Ritterorden" für Frauen – wenn er auch kein echter militärischer Orden, sondern mehr eine Ehrenauszeichnung war. Die Frauen erhielten dadurch Steuervorteile und weitere Privilegien.
Symbol prangt an der Kathedrale von Tortosa
Noch heute kann man an der Kathedrale von Tortosa das Symbol des ungewöhnlichen Frauen-Ordens sehen: Ein Schild mit einer mächtigen Axt ist in einen der Steine gemeißelt. Das Emblem wurde etwa im 13. Jahrhundert angefertigt – man scheint in der Stadt also noch lange stolz auf die mutigen Kämpferinnen gewesen zu sein und hat sie nicht verschämt verschwiegen.
Es ist allerdings auch das einzige nahezu zeitgenössische Zeugnis der "Damen von der Axt". Schriftlich werden sie erst rund dreihundert Jahre später erstmals wieder erwähnt – weswegen bis heute manche Historiker an der Existenz des Ordens zweifeln. Allerdings wurde 2024 bei Ausgrabungen in Zorita de los Canes (nahe Madrid) ein Skelett aus derselben Ära gefunden, das eindeutige Kampfspuren aufwies – und sehr wahrscheinlich von einer Frau stammt. Unmöglich war ein solcher Einsatz weiblicher Kämpferinnen also nicht.
Quellen: "Heraldica", Wikipedia, Elias Ashmole (Buch)