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Historische Romane: Kühne Ritter, stolze Frauen

Neben dem dunklen Mittelalter dient die beginnende Neuzeit, die Ära der Entdeckungen sowie der sozialen und kulturellen Umbrüche, immer öfter als Schauplatz für historische Romane.

Wenn Autoren zur Feder greifen, um die bunte Welt längst vergangener Zeiten auferstehen lassen, dann wählen sie noch immer gern das Mittelalter als Kulisse ihrer Erzählungen von Liebe, Hass und Verrat. Daneben entwickelt sich die beginnende Neuzeit, die Ära der Entdeckungen sowie der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Umbrüche, zum beliebten Schauplatz für abenteuerliche Geschichten. So ist es Guido Dieckmann nach dem Erfolg seiner «Poetin» nun zum zweiten Mal das Kunststück gelungen, eine spannende Geschichte so zu erzählen, wie sie sich tatsächlich hätte zutragen können.

Ein Komplott gegen Martin Luther

In dem vom Verlag Rütten & Loening (Berlin) herausgebrachten Roman «Die Magistra» verfolgt der Autor den entbehrungsreichen Weg der klugen Philippa von Bora, einer der angeheirateten Nichten Martin Luthers (400 Seiten, 19,90 Euro). Es verschlägt sie in das Schwarze Kloster des Onkels in Wittenberg, wo sie mit Mut und Intelligenz ein mörderisches Komplott gegen den berühmten Oheim aufdeckt. Das Faszinierende an Dieckmanns Buch ist die Akkuratesse, mit der er sich an die geschichtlichen Fakten hält. Das schafft Glaubwürdigkeit und ist auch noch so gut geschrieben, dass der Leser bis zur letzten Seite bei der Sache bleibt. Es handelt sich um eine spannende Kriminalgeschichte voll überraschender Wendungen.

Auf dem Weg in die Neue Welt

Im aufregenden 16. Jahrhundert spielen auch die unglaublichen Abenteuer des «Chirurgen von Campodios», den der Autor Wolf Serno erneut auf Wanderschaft geschickt hat (Droemer Verlag, 590 Seiten, 22,90 Euro). Der zweite Roman über den jungen blonden Vitus ist Märchenbuch, Sittengemälde und Abenteuerroman in einem. Wer den Helden und seine beiden Freunde, einen Magister und einen Zwerg, auf seinem gefahrvollen Weg zur geliebten Arlette begleitet, wird sich kaum langweilen. Der Arzt und Abkömmling einer englischen Adelsfamilie erlebt, wie sein Schiff auf dem Weg in die Neue Welt von Piraten aufgebracht wird. Er überlebt auf einem Rettungsboot das Gelbfieber ebenso wie die Attacken schrecklicher Seeungeheuer und bösartiger Passagiere.

Der Chirurg übersteht die Gefahren des Dschungels, Kämpfe mit Schurken und Übergriffe entflohener Sklaven. Und bei alldem findet er auch noch Kraft, Kranken zu helfen, Wunden zu heilen und sogar einen Mann durch beherztes Öffnen der Schädeldecke zu retten. Nur Arlette findet er zunächst nicht, bis sie ihm dann schließlich doch noch auf den letzten Seiten des Romans ans Herz sinkt. Doch auch dann heißt es noch lange nicht «Ende gut - alles gut» - sonst könnten sich die Serno-Leser nicht auf einen dritten Band mit Vitus freuen.

Oswald, der unkeusche Kreuzritter

Auch Brigitte Riebe hat das Liebes- und Familiendrama ihres im Verlag Marion von Schröder (München) erschienenen neuen Buches «Straße des Sterne» ins Mittelalter verlegt (440 Seiten, 22 Euro). Doch anders als bei Dieckmann wirkt der historische Hintergrund hier zu blass. Der Kreuzritter Oswald vergisst seine mönchische Keuschheit, als er im spanischen Leon die schöne Bianca kennen lernt. Auch die junge Frau darf diese Liebe nicht leben, denn sie gehört - mehr von ihrem herrischen Bruder Diego genötigt als freiwillig - der verfolgten Sekte der Katharer an. Erst eine Generation später führt der Pilgerweg nach Santiago de Compostela die beiden wieder für kurze Zeit zusammen.

Islam trifft auf Christentum

Historische Romane für den Bildungsbürger schreibt Peter Berling. Wer sein vom Ullstein Verlag (München) vorgelegtes neues Buch «Das Kreuz der Kinder» zur Hand nimmt, braucht fast ebenso viel Konzentrationsfähigkeit und Beharrlichkeit (487 Seiten, 24 Euro). Das Geschehen rankt sich um den Kreuzzug der Kinder, der 1212 seinen Anfang nahm und grausam endete. Berling konfrontiert in dem Roman die Welt des Islam mit der des Christentums. Der Emir von Mahdia sammelt im Jahr 1221 einen Rest der überlebenden Kreuzfahrer um sich, um mehr über das Schicksal einer Teilnehmerin, der schönen Melusine, zu erfahren.

Susanna Gilbert-Sättele / DPA
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