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Kunstmarkt: Sammeln macht sexy

Mein Haus, mein Auto, mein Totenkopf aus Platin: Kunstsammeln ist zum Statussymbol geworden. Der Wert eines Werkes kann rasend schnell in irrwitzige Höhen schnellen. Ein neues Buch will deshalb den Markt und seine Mechanismen erklären.

Von Anja Lösel

Zwölf Millionen Dollar für einen leicht angegammelten Hai in Formaldehyd? Wer sich auf so was einlässt, muss verrückt sein - oder Kunstsammler. Tatsache ist: Der Hai ist ein Werk von Damien Hirst und gilt als Kunst-Ikone der 90er Jahre. Die Trophäe machte ihren Besitzer, den US-Hedge-Fonds-Manager Steven Cohen, zum König der Sammler. Ein guter Fang also.

Wer das nicht verstehen kann, sollte in das Buch "Collecting Contemporary" gucken. Da kostet der Hai noch 8,3 Millionen, und das ist kein Druckfehler, sondern zeigt nur, wie schnelllebig und schwierig der Markt ist. Das Buch bietet gute Tipps, Adressen und Insider-Informationen für Anfänger. Und wirft Fragen auf, die jeder sich stellen sollte, bevor er mit dem Sammeln loslegt.

Warum ist es plötzlich so sexy, Kunst zu besitzen? Welcher Typ Sammler bin ich? Will ich Geld verdienen oder nur Spaß haben? Wie fange ich an? Wen kann ich fragen? Wo soll ich suchen? Was muss ich lesen?

Gesellschaftliches Muss statt elitärer Zeitvertreib

Niemals gab es eine Zeit wie unsere, in der Leute, ohne mit der Wimper zu zucken, Millionen bezahlen für Bilder, die kurz zuvor noch für ein paar Tausender zu haben waren. Die steigenden Preise haben Menschen angelockt, die bisher nur die Nase rümpften über Malerei oder Video-Installationen. Kunst ist nicht mehr elitärer Zeitvertreib, sondern ein gesellschaftliches Muss: schick, angesagt und eine lukrative Geldanlage.

Aber Anfänger können auch schwer auf die Nase fallen. "Der Markt ändert sich permanent. Wer heute als Genie gilt, kann morgen nur noch peinlich sein", warnt der Autor Adam Lindemann, selbst Sammler in New York. Sein Buch ist kein Leitfaden zum Kunstkauf, sondern ein Versuch, den Markt und seine Mechanismen zu erklären.

Interviews mit 40 Experten geführt

Sieben Typen von "Art Market Players" hat er entdeckt, mit 40 dieser einflussreichen Leute führte er Interviews. Künstler sind nicht darunter, dafür aber Händler, Kritiker, Berater, Sammler, Auktionatoren und Museumsleute: vom Leipzig-Experten Gerd Harry Lybke über Mick-Flick-Berater Iwan Wirth bis hin zum New Yorker Top-Galeristen Larry Gagosian.

Immer geht es um die ganz frische Kunst, von der noch niemand weiß, ob sie ihren Wert steigern oder schnell wieder vergessen sein wird. Genau das macht den Kauf so aufregend. Könnte ja sein, dass man gerade den neuen Damien Hirst entdeckt hat. Denn ein guter Sammler muss seinen Mitstreitern immer ein wenig voraus sein. Lybke: "Vor zehn Jahren war Malerei tot. Jetzt gucken alle nur auf die Malerei - vielleicht ein Fehler."

Im Augenblick arbeitet Damien Hirst am teuersten Kunstwerk der Welt, einem Totenkopf aus Platin, besetzt mit 8500 Diamanten. Herstellungskosten: rund 20 Millionen Dollar. Verkaufspreis: Noch unklar, aber ein Käufer wird sich sicher finden.

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