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Kurzporträts: Zeitgenössische koreanische Autoren

Die meisten zeitgenössischen koreanischen Autoren sind in Deutschland weitgehend unbekannt. Hier die Kurzporträts einiger bedeutender Schriftsteller.

Park Kyung Ri (78) gilt als berühmteste südkoreanische Autorin. Ihre 16-bändige Saga "Land" ("Toji"), an der sie von 1969 an 25 Jahre lang schrieb, gilt als episches Schlüsselwerk der koreanischen Literatur im 20. Jahrhundert. Die Geschichte dreier Generationen einer Familie umfasst die Zeit von der letzten Phase der Joseon-Dynastie (1398-1910) bis zur Befreiung Koreas von der japanischen Kolonialherrschaft 1945. Sie schildert die Entwicklung des modernen Korea unter sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Aspekten. Pak wurde in den 60er Jahren mit ihren Romanen "Kim yakkuk ui ttal tul" ("Die Töchter des Apothekers Kim", Pendragon Verlag, 1999) und "Shijang kwa chonjang" ("Markt und Krieg", Secolo Verlag, 2002) bekannt. Sie gab auch eine renommierte Zeitschrift für zeitgenössische Literatur heraus. Für ihr umfangreiches Prosawerk wurde Pak mit vielen bedeutenden nationalen und internationalen Auszeichnungen geehrt. Heute lebt sie in der 120 Kilometer von Seoul entfernten Provinzstadt Wonju und hält an der dortigen Universität Literaturvorlesungen.

Ko Un (72) gilt als bedeutendster lebender Lyriker seines Landes. Seit Jahren wird er als aussichtsreicher Anwärter auf den Literatur-Nobelpreis gehandelt. Sein Leben ist von einschneidenden und manchmal abrupten Veränderungen geprägt. Er war Mönch und politischer Aktivist, der sich für die die Demokratisierung seines Landes einsetzte. Dafür landete er im Gefängnis. Er hat in seinem Leben zwei Selbstmordversuche und Jahre als Alkoholiker hinter sich. Während seiner Jahre in einem buddhistischen Kloster von 1952 bis 1962 begann er zu dichten. Der Zen-Buddhismus färbte auch auf seine Lyrik ab. In den 70er Jahren wandte er sich von einer schwermütig gestimmten, rätselhaften Lyrik immer mehr einem politisch engagierten Schreiben zu. Sein Werk umfasst mehr als 120 Veröffentlichungen, darunter auch Romane, Dramen und Essays. Einige liegen auch auf Deutsch vor. Noch im Gefängnis Anfang der 80er Jahre beschloss er, über jeden Menschen zu schreiben, der ihm in seinem Leben begegnet ist. Von dem Gedichtzyklus "Maninbo" sind bislang 20 Bände erschienen. Ko lebt heute mit seiner Frau in Ansong, zwei Stunden Autofahrt von Seoul entfernt.

Yi Munyol

(57) ist einer der einflussreichsten lebenden Autoren seines Landes und zudem einer der ersten Bestsellerautoren, dessen Werke auch über die Grenzen Südkoreas bekannt wurden. In seiner Heimat ist Yi wegen seiner politischen Ansichten jedoch umstritten. Vor vier Jahren entzündete er eine Debatte, als er Unterstützer des als liberaler Reformpolitiker geltenden Präsidenten Roh Moo Hyun in Anspielung auf die radikalen Studentengruppen während der Kulturrevolution in China als "Rote Garden" bezeichnete. Trotz seines nicht ungebrochenen Ruhms wird seine Schreibkunst nach wie vor hoch eingeschätzt. Yis Roman "Der entstellte Held", der die Geschichte eines Schulalltags erzählt, gehört zur Schullektüre in Korea. Die auch auf Deutsch erschienene Erzählung (Pendragon 1999, Unionsverlag 2004) ist eine Parabel über die Ausübung von Macht. Als Meisterwerk gilt der biografische Roman "Shi-In" (Der Poet) von 1992, in dem Yi das Leben eines Dichters nacherzählt.

Hwang Sok-Yong

(61) ist nicht nur einer der bedeutendsten, sondern auch einer der international bekanntesten koreanischen Schriftsteller. Er lebt zurzeit in London. Hwang machte sich auch mit seinem Eintreten für die Demokratisierung seines Landes und die Annäherung an Nordkorea einen Namen. 1993 wurde er wegen unerlaubter Besuche in Nordkorea zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Im Zuge einer Amnestie des damals neu gewählten südkoreanischen Präsidenten und späteren Friedensnobelpreisträgers Kim Dae Jung wurde Hwang 1998 freigelassen und später offiziell als Kulturvertreter in den Norden geschickt. In seinen Büchern variiert Hwang immer wieder das Thema der Entwurzelung, das der in der Mandschurei geborene Autor am eigenen Leib gespürt hat. Sein erfolgreicher Debütroman von 1972, "Die Geschichte des Herrn Han" (dtv, 2005), erzählt die erschütternde Geschichte eines nordkoreanischen Arztes, der während des Korea-Kriegs in den Süden flüchtet. 1984 veröffentlichte er den zehnbändigen Roman "Dschang Gilsan".

Pak Wanso

(74) bildet zusammen mit Park Kyung Ri das Duo der großen alten Damen der koreanischen Gegenwartsliteratur. In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des südkoreanischen Rundfunks unter Verlegern wurde Pak als Autorin gewählt, deren Büchern sie vor allen anderen den größten Erfolg wünschten. Paks Werke werden von fast allen Generationen gelesen. Ihr Debüt gab sie im Alter von fast 40 Jahren mit dem Roman "Namok" ("Der nackte Baum"). Es folgten mehr als 20 Romane, Erzählungen und Essays.

DPA / DPA
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