HOME

Literatur: Klosterbibliothek erwacht aus Dornröschenschlaf

Nach 200 Jahren von Pilzen, Ruß, Staub und Feuchtigkeit befreit, können ab 15. Januar in Klausen (Rheinland-Pfalz) Jahrhunderte alte Bücher bewundert werden. Darunter befinden sich echte Sensationen.

Nach 200 Jahren Dornröschenschlaf öffnet die Klosterbibliothek in Klausen (Rheinland-Pfalz) wieder ihre Türen. Etwa 2000 Bücher aus dem 15. bis 18. Jahrhundert können ab dem 15. Januar im alten Bibliotheksraum in der Wallfahrtskirche bewundert werden, sagte der Vorsitzende des "Freundeskreises der alten Klosterbibliothek der Augustiner Chorherren in Klausen", Gerhard Schruff, am Montag. Die Bibliothek war nach der Auflösung des Klosters im Jahre 1802 in Vergessenheit geraten. Seit 1999 waren die Bücher gesäubert und alte Wandmalereien aufgearbeitet worden. Die Restaurierung der Bibliothek kostete rund 300.000 Euro.

Unter den Werken, die von Pilzen, Ruß, Staub und Feuchtigkeit befreit wurden, befinden sich alte Arzneibücher und Messbücher mit schweren Beschlägen. Auch drei Inkunabeln - Werke aus der Frühzeit des Buchdrucks - zählen zu den "Schätzen" der Bibliothek. Europaweit seien bis 1500 rund 22.000 Inkunabeln angefertigt worden, etwa 200 davon lagerten in Klausen, sagte Schruff. Nach der Säkularisierung des Klosters war ein Großteil der Werke nach Frankreich geschafft worden. Die Augustiner Chorherren hatten das Kloster in Klausen 1456 gegründet.

Einzigartige Bilder und Texte

Die Wandmalereien des Raumes von 1502, die 18 heilige Figuren abbilden, sind nach Angaben von Schruff einzigartig für einen klösterlichen Raum, der nicht-kirchlich genutzt wurde. "Diese Räume waren normalerweise schlicht und karg ohne Malerei", sagte er. Die Bibliothek sei besonders gut bestückt gewesen, weil die Augustiner Chorherren als ein "sehr strenger Orden" die Ordensbrüder täglich zu vier Stunden Schreibarbeit verpflichteten, die unter anderem mit dem Abschreiben von Büchern zugebracht wurden.

Mit der Eröffnung der Klosterbibliothek wird auch die neue Ausgabe des Klausener Arzneibuchs aus dem 15. Jahrhundert gefeiert, dessen handschriftliche Texte bis 1802 im Kloster aufbewahrt wurden. Es enthält die wichtigsten medizinischen Texte des Spätmittelalters in moselfränkischer Sprache. Nachdem Hoffmann von Fallersleben im 19. Jahrhundert das Klausener Arzneibuch bereits untersuchte hatte, wurde der Text nun erstmals vom Trierer Historiker Volker Henn und Nachwuchsforschern der Universität Trier als Edition veröffentlicht.

DPA / DPA
Themen in diesem Artikel