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Persönliche Buchvorstellung Salman Rushdie präsentiert "Joseph Anton" in Berlin

Vor zwei Wochen erschienen Salman Rushdies Erinnerungen an seine Zeit unter dem iranischen "Todesurteil". In Berlin stellte der Autor das Buch jetzt persönlich vor - einzige Station in Deutschland.

Jahrelang stand Salman Rushdie unter dem Mordaufruf des iranischen Ayatollah Khomeini. Auf den britisch-indischen Autor war ein Kopfgeld von mehreren Millionen Dollar ausgesetzt. Er musste im Untergrund leben, war in ständiger Todesangst.

Als der 65-Jährige am Montag in Berlin seine Autobiografie über diese dunklen Jahre vorstellt, scheint aller Schrecken wie von ihm abgefallen. Ruhig und mit viel Humor erzählt der Autor von seinem Geheimleben unter dem Decknamen "Joseph Anton", der nun auch der Titel des Buches ist. "Ich fühle mich nicht als Freiheitsstatue", sagt er fast verschmitzt. "In meinem Buch muss ich sowohl das Bild des Dämons wie auch das des Helden zerstören."

Es ist Valentinstag, 14. Februar 1989, als eine BBC-Reporterin bei Rushdie anruft und ihm die schier unglaubliche Nachricht überbringt: Der Ayatollah, religiöser Führer und Staatsoberhaupt des Iran, hat eine "Fatwa" gegen ihn verhängt, ein Todesurteil. Der Autor habe, so der Vorwurf, mit seinen "Satanischen Versen" den Islam und den Propheten Mohammed beleidigt.

"Es war die Geschichte von Tausenden"

"Machen Sie sich keine allzu großen Sorgen", beruhigte die Reporterin. "Der US-Präsident wird jede Woche vom Ayatollah zum Tode verurteilt." Zunächst habe er die Drohung deshalb für rhetorisch gehalten, so Rushdie. Doch spätestens nach dem Tod von islamkritischen Kollegen in der Türkei, in Ägypten und Algerien sei ihm die ganze Tragweite bewusst geworden.

Rushdie benutzt dafür (wie in seinem Buch) das Bild aus Hitchcocks Horrorklassiker "Die Vögel" (1963). Sein Fall sei der erste, noch unbemerkte Vogel gewesen. Bei den Terroranschlägen von Islamisten auf das New Yorker World Trade Center 2001 sei dann klar geworden, dass es sich um eine ganze Invasion von Vögeln handele. "Es war nicht nur meine Geschichte, es war die Geschichte von Tausenden, und sie wurde größer und größer."

Die Solidarität seiner Kollegen weltweit weiß der Autor bis heute zu schätzen. Als negative Ausnahmen nennt er nur die britischen Urgesteine John Berger und John le Carré. Zudem habe er einen Crashkurs bekommen, "wie Politik wirklich funktioniert". Der damalige Außenminister Klaus Kinkel (FDP) etwa habe mit Rücksicht auf den deutschen Handel mit dem Iran seine Bitte um Unterstützung mit der Bemerkung quittiert: "Wir ändern unsere Außenpolitik nicht für einen Mann."

Einen direkten Kontakt zu seinen Verfolgern hat Rushdie in all der Zeit nicht gehabt. "Sie haben nur versucht, mich umzubringen, was ja auch eine Art von Kontaktaufnahme ist", frotzelt er. Sehr viel ernster fügt er hinzu, trotz allen Drucks habe er immer versucht, als Schriftsteller nicht ängstlich oder bitter zu werden. "Das wäre eine andere Art von Tod gewesen."

Nada Weigelt, DPA DPA

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