Schiller für Kinder Freiheitskampf light


Kinderbuchautoren haben sich im Schiller-Jahr daran gemacht, den Weimarer Klassiker auch für jüngere Leser zu entstauben. Eine schwere Aufgabe - die ganz unterschiedlich gelöst wurde.

Goethe oder Schiller als Klassenlektüre - für Schüler war dies lange ein Alptraum. Inzwischen hat man Klassiker sogar als Lesestoff für Kinder entdeckt. Da macht auch Friedrich Schiller keine Ausnahme. So erschien im Berliner Kindermann Verlag "Wilhelm Tell" in einer Neuerzählung für junge Leser; im vergangenen Jahr kam "...und mich - mich ruft das Flügeltier" auf den Markt: Darin hat Peter Härtling Texte des Dichters für Kinder zusammengetragen. Experten sind allerdings der Ansicht, für Kinder eigneten sich eher Werke von Goethe als von Schiller.

Schon 1959 schrieb der Kinderbuchautor James Krüss im Nachwort des von ihm herausgegebenen Buches "So viele Tage wie das Jahr hat. 365 Gedichte für Kinder und Kenner": "Man verdirbt Kindern den Geschmack an Schiller, wenn man sie zu früh mit ihm bekannt macht. Goethe, von Schiller ausdrücklich als naiver Dichter apostrophiert, ist für unsere Zwecke eine Fundgrube...Man kann Kindern unbedenklich jedes seiner Gedichte empfehlen, dessen Sujet der kindlichen Vorstellungswelt angemessen ist."

Lautmalerisch, witzig, unheimlich, verrückt

Besonders Goethes Geschichte von "Reineke Fuchs" ist bei Kindern beliebt, die auch mehrfach und immer wieder für junge Leser illustriert wurde - ebenso wie "Der Zauberlehrling". "Kinder haben ein ausgeprägtes Gespür für Sprachspiel und Sprachklang", erklärt die Direktorin des Frankfurter Goethe-Museums, Anne Bohnenkamp, in einem Buch zu der Ausstellung "Goethe und Schiller für Kinder". "Und daher lieben sie Gedichte - lautmalerische, witzige, unheimliche, verrückte und bildhafte. Was könnte dagegen sprechen, sie schon früh mit den schönsten Gedichten in deutscher Sprache bekannt zu machen?"

Von Schiller, so betont die Literaturwissenschaftlerin, seien es eher die Dramen, die für Kinder veröffentlicht worden seien. Dies gilt in erster Linie für "Wilhelm Tell", der schon lange zur klassischen Schullektüre gehört. Das Drama wurde bereits im 19. Jahrhundert mehrfach für das Kinder- und Puppentheater bearbeitet. 1998 erschien für Kinder eine Nacherzählung des "Wilhelm Tell" von Barbara Kindermann. Die Berliner Verlegerin gibt seit 1995 die Reihe "Weltliteratur für Kinder" heraus, in der unter anderem Nacherzählungen von "Faust", "Kleider machen Leute" und "Romeo und Julia" erschienen sind. Die liebevoll illustrierten Bücher richten sich an Kinder ab sieben Jahren, sind aber auch für Ältere geeignet.

Schweizer Freiheitskampf spannend nacherzählt

"Wilhelm Tell" erzählt Kindermann als Abenteuergeschichte über einen spannenden Freiheitskampf im 13. Jahrhundert. Sie zieht den Bogen vom Rütlischwur über den Apfel-Schuss bis zum Finale in der "Hohlen Gasse". Das Buch wurde 2004 anlässlich des Schiller-Jahres neu aufgelegt.

Der Schriftsteller Peter Härtling gab bereits 1998 den Band "Ich bin so guter Dinge: Goethe für Kinder" heraus. 2004 erschien dann "...und mich - mich ruft das Flügeltier" mit von Härtling ausgewählten Werken Friedrich Schillers. Schiller sei ein "ernster Dichter" gewesen, schreibt Härtling im Vorwort. Illustrationen von Hans Traxler heitern die Ausgabe, die eher etwas für Kinder ab zehn sein dürfte, allerdings auf.

An Jugendliche richtet sich das von Christiana Engelmann und Claudia Kaiser herausgegebene Lesebuch "Möglichst Schiller". Den jungen Lesern werden Interpretationen und Erklärungen der Texte mitgeliefert. Außerdem erfahren sie auch etwas über Schillers Leben.

Susanne Gabriel/AP AP

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