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SCHRIFTSTELLER: Nachrufe auf das »Literarische Quartett«

Zur letzten Sendung haben einige Schriftsteller noch einmal mit dem »Literarischen Quartett« abgerechnet. Vor allem Marcel Reich-Ranicki stand im Kreuzfeuer der Kritik.

In Nachrufen auf die ZDF-Sendung »Das Literarische Quartett« haben Schriftsteller bei einer dpa-Umfrage mit dem »Kritiker-Papst« Marcel Reich-Ranicki als Moderator abgerechnet. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zollte dagegen Anerkennung.

Günter Grass schaute weg

Nobelpreisträger Günter Grass, dessen Roman »Ein weites Feld« Reich-Ranicki verrissen hatte: »Ich guck mir das schon ewig nicht mehr an. Ich habe den Sinn dieser Sache nicht gesehen. Literatur verlangt nach Differenzierung. Was ich erlebt und gesehen habe, war eine Trivialisierung des Ganzen.«

Jelinek ertrug es nicht

Die österreichische Autorin Elfriede Jelinek: »Ich habe mir diese Sendung nie angeschaut, weil ich es nicht ertrage, wenn Menschen fertig gemacht werden.«

Stefan Heym missfiel der Ton

Der Berliner Autor Stefan Heym: »Ich sehe das Ende der Sendung sehr kühl und distanziert, weil die Sendung mir im Großen und Ganzen nicht gefallen hat. Mir gefiel der Ton nicht und es waren auch einige Leute dabei, die ein Wesen haben, das mir unangenehm ist. Deutschland wird auch ohne diese Sendung eine Literatur haben, und ich werde mich bemühen, in der Zeit, die mir noch bleibt, dazu beizutragen.«

Der Münchner Musikkritiker Joachim Kaiser, dessen Monografie »Leben mit Wagner« 1990 im »Literarischen Quartett« besprochen worden war: »Sicherlich: Das ?Literarische Quartett? litt daran, dass Marcel Reich-Ranicki seinen Kombattanten überlegen war. Er war kein Mitdiskutant, sondern der Chef. Nur, ich habe es selbst erlebt, bei den Diskussionen ging es vehement um Bücher! Man musste sehr gut vorbereitet sein, die Texte standen im Mittelpunkt - und dass sie mit Leidenschaft besprochen wurden, war doch kein Nachteil. Ich kann verstehen, dass Reich-Ranicki die Sendung nicht mehr machen will. Es ist schließlich nicht immer unterhaltsam, alle zwei Monate fünf dicke Bücher zu lesen. So viel gute Bücher gibt es nämlich nicht.«

Literatur unterhaltsam verpackt

Dieter Schormann, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels: »Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels bedauert diese Entscheidung außerordentlich. Das 'Literarische Quartett' hat gezeigt, dass Literatur in Deutschland auch im Fernsehen erfolgreich präsentiert werden kann. Den Mitgliedern des Quartetts ist das mit ihrer Art, die Literatur unterhaltsam zu verpacken, gelungen. Es wäre schade, wenn Literatur im öffentlich-rechtlichen Fernsehen künftig nur noch in Spartenprogrammen wie Arte oder 3Sat vorkäme.«

Die österreichische Schriftstellerin Margit Schreiner, deren Roman »Haus, Frauen, Sex« im letzten »Literarischen Quartett« besprochen wird, will sich die Sendung alleine zu Hause ansehen: »Ich freue mich, dass mein Buch besprochen wird. Die Schärfe des 'Quartetts' schreckt mich nicht. Jede Rezension kann ein Verriss sein oder ein Lob, das habe ich nicht in der Hand, und das ist gut so. Meine eigene Erfahrung mit dem 'Quartett' ist ambivalent. Anfangs habe ich es mit einer Art masochistischem Vergnügen gesehen und habe mich oft furchtbar geärgert. In den letzten Jahren hat es für mich etwas den Reiz verloren. Man kannte jede Reaktion, jede Geste. Mit dem ersten Satz wusste man, wohin das laufen würde, kannte die Argumentation. Es ist zum richtigen Zeitpunkt zu Ende.«