HOME

Skandal-Rede zu künstlicher Befruchtung: Autorin Lewitscharoff bedauert "Halbwesen"-Aussage

Ihre Rede hat hohe Wellen geschlagen. Durch künstliche Befruchtung entstandene Kinder seien halb Mensch, halb künstlich, hatte Sibylle Lewitscharoff unter anderem gesagt. Nun entschuldigte sie sich.

Die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff hat sich für ihre Aussage zur künstlichen Befruchtung entschuldigt. Die dadurch entstandenen Kinder hatte sie als "Halbwesen" bezeichnet. "Das tut mir wirklich leid", sagte sie am Freitag im ZDF-Morgenmagazin. Der Satz sei zu scharf ausgefallen. "Ich möchte ihn sehr gerne zurücknehmen, ich bitte darum."

Am 2. März hatte die Büchner-Preisträgerin eine Rede im Dresdner Schauspielhaus gehalten. Lewitscharoff erklärte darin künstliche Befruchtung für "abartig" und "abscheulich". Die daraus entstandenen Kinder seien "zweifelhafte Geschöpfe, halb Mensch, halb künstliches Weißnichtwas". Ein Onanieverbot halte sie für weise, Reproduktionsmediziner nannte sie "Frau Doktor und Herr Doktor Frankenstein". Selbst vor einem Nazi-Vergleich schreckte die Schriftstellerin nicht zurück: "Mit Verlaub, angesichts dieser Entwicklungen kommen mir die Kopulationsheime, welche die Nationalsozialisten einst eingerichtet haben, um blonde Frauen mit dem Samen von blonden blauäugigen SS-Männern zu versorgen, fast wie harmlose Übungsspiele vor."

Vorwurf der gefährlichen Stimmungsmache

Die Rede war auf viel Kritik gestoßen, ihr Verlag distanzierte sich von der Autorin. Der breiten Öffentlichkeit wurden die Aussagen erst am Mittwoch durch einen Offenen Brief des Chefdramaturgen des Staatsschauspiels Dresden, Robert Koall, bekannt. Er warf der Autorin gefährliche Stimmungsmache und indirekt die Verletzung der Menschenwürde vor.

Lewitscharoff rückte nun von einem Teil ihrer Rede ab, nicht jedoch von ihrer Meinung. "Ich würde niemals ein Kind, das auf diese Weise zur Welt kam, als fragwürdigen Menschen bezeichnen", sagte Lewitscharoff. Sie stehe der Reproduktionsmedizin aber nach wie vor kritisch gegenüber. "Den Kindern werfe ich überhaupt nichts vor, sie können nichts dafür, wie sie auf die Welt kamen. Ich bin aber skeptisch gegenüber den modernen medizinischen Methoden. Man sollte stärker diskutieren und sich nicht damit befrieden, dass es diese Medizin gibt." Ihr verursache es Unbehagen, dass auf der einen Seite Millionen Kinder in ärmlichen Regionen ein entsetzliches Leben führten, Eltern in reichen Regionen dagegen versuchten, auf künstlichem Wege Kinder zu zeugen.

Zuvor hatte die Autorin in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung abgelehnt, ihre Aussagen zurückzunehmen.

car/DPA / DPA