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Typische Eltern-Sätze "Was sollen denn die Leute denken?"


Wir kennen sie alle. Diese typischen Eltern-Sätze. Das Buch "Da wächst du schon noch rein" fasst die schönsten und plattesten zusammen.
Von Kester Schlenz

Erinnern Sie sich? Sie waren ungefähr 15 und haben schlecht gelaunt in ihrem Zimmer gesessen. Und irgendwann kam ihre Mutter rein und rief: "Geh doch mal an die frische Luft." Oder damals beim Einkaufen: Sie wollten die schöne, aber teure Levi's-Jeans, mussten aber die brettharte, markenlose und schnittarme Ost-Jeans anprobieren. Und Ihren Protest kommentierte die Mutti trocken mit "Jeans ist Jeans".

Das Buch "Da wächst du schon noch rein" von Lisa Seelig (Fischer) fasst solche Elternsätze auf wunderbare Weise zusammen. Eine sehr amüsante Reise in die eigene Vergangenheit ist das, denn jeder kennt sie noch, diese typischen Einlassungen von Erziehungsberechtigten. Jeden haben sie genervt.

Und - das ist das Niederschmetternde - fast jeder benutzt die Klassiker dann auch selber, sobald er Kinder hat. Sie stecken halt in uns, die platten Eltern-Phrasen. Sie haben sich in unser Unterbewusstsein gefräst und brechen dann in bestimmten Situationen instinktgesteuert aus uns heraus. "Kann man Dich nicht mal fünf Minuten allen lassen?" ist so ein Klassiker, wenn die Kids was angestellt haben. "Doch klar, kann man", schreibt Lisa Seelig in einem Kommentar zu diesem Satz. "Aber dann muss bitte auch Verständnis dafür da sein, das man sich als Kind in der freien Zeit um die eigenen Projekte kümmert."

"Wie sagt man?"

Seeligs Kommentare sind treffend, wunderbar sarkastisch und vor allem entlarven sie den Phrasen-Charakter elterlichen Prosa. Ein paar besonders nervige Beispiele von Mama/Papa-Dauerbrennern gefällig? Bitte sehr: "Das ist doch noch gut." "Wie sagt man?" "Probier doch wenigstens mal." "Lies doch mal ein gutes Buch." "Iss doch einen Apfel, wenn Du Lust auf was Süßes hast." "Andere Leute wollen schlafen." "Hast du geraucht?" "Wenn Du mal groß bist." "Hier spielt die Musik." Und dann natürlich der absoluten Phrasen-König: "Ich sag's Dir jetzt zum letzten Mal", nur noch getoppt durch die schamlose Lüge gegenüber Kleinkindern: "Tschüüüs - Mama geht jetzt."

Mama bleibt natürlich, wird älter und schickt später Briefe mit Zeitungsausschnitten und dem Killer-Kommentar: "Ich dachte, das interessiert dich vielleicht." Am besten, Sie schenken dieses Buch einem Elternteil. Und wenn Mama oder Papa verstört reagieren, sagen Sie einfach: "Ich dachte, Du freust Dich."

Welche Sprüche haben Sie früher gehasst und: Wie oft haben Sie sich selbst schon bei einem dieser Sätze erwischt? - Diskutieren Sie bei Facebook mit!


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