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Verkaufszahlen des Wulff-Buches: Jenseits des Bestsellers

Es sollte ein absoluter Verkaufsschlager werden. In ihrem Buch erzählt Bettina Wulff alles – und scheint damit bisher auf ziemlich großes Desinteresse zu stoßen.

Von Verena Kuhlmann

Die PR-Maschine ist angelaufen: Bettina Wulff ist überall. Ihr Buch sollte eigentlich erst im November erscheinen, jetzt wurde es vorgezogen und früher auf den Markt gebracht. Sie gibt Exklusiv-Interviews in "Brigitte", "Stern" und "Gala" und hat bereits ihren Besuch in Talkshows wie "Menschen bei Maischberger" und "3nach9" angekündigt. So werden normalerweise nur Bestseller vermarktet. Aber genau von einem solchen Bestseller ist Wulffs "Jenseits des Protokolls" scheinbar noch weit entfernt. Das zeigen Gespräche mit deutschen Buchhändlern.

Der große Kaufrausch ist nicht eingetreten, die Bücher bleiben in ihren Regalen liegen. Das bestätigt Harald Butz, Pressesprecher der Buchhandlung "Heymann" in Hamburg: "Betrachtet man den Umfang an Berichterstattung, kann man sagen, dass das Kaufverhalten der Kunden wesentlich zurückhaltender ist als bei vergleichbaren Werken." Genaue Verkaufszahlen nennt er nicht, aber fest steht: Der große Ansturm bleibt aus. "Natürlich wirkt die Berichterstattung immer zeitversetzt, eine Prognose ist daher noch nicht möglich. Aber das allgemeine Stimmungsbild in den Filialen deutet momentan darauf hin, dass die Kundenhaltung eher negativ ist", sagt er stern.de.

"Es interessiert sich kaum einer dafür"

Und in anderen Städten dasselbe Bild. Julia Keßler, Leiterin der Weltbild-Filiale in Hannover erzählte der "Wolfsburger Allgemeine", dass sie bisher nur ein Exemplar verkauft hat. "Es interessiert sich kaum einer dafür." Die Verkaufszahlen der Buchhandlung "Hugendubel" in Hannover liegen nach eigenen Angaben im "mittleren zweistelligen Bereich". Dort erwartet man am Wochenende aber eine Steigerung.

"Wir sind mit der Nachfrage nach dem Titel sehr zufrieden", berichtet Mirjam Berle, Pressesprecherin von "Thalia". Genauere Informationen dürfe das Unternehmen nicht preisgeben. Die gleiche Antwort bekommt man auch von Zwischenhändlern wie "Libri". Überall also beredtes Schweigen. Laut Riva-Verlag, der "Jenseits des Protokolls" auf den Markt gebracht hat, liegt das aber lediglich daran, dass das Buch erst seit so kurzer Zeit auf dem Markt ist. "Es gibt noch keine validen Zahlen. Bewertungen über den Erfolg kann man frühestens nach einer Woche abgeben", sagt Julia Loschelder von der Presseabteilung. Den Rückschluss, dass das Buch ein Misserfolg sei, könne man aber keinesfalls ziehen.

Genaueres kann man wohl in ein paar Tagen sagen, wenn die Buch-Charts aktualisiert sind. Im "Amazon-Ranking" fiel das Buch von Platz 8 auf Platz 12 der Bestseller-Listen. Offensichtlich fällt das Interesse an Bettina Wulffs Sicht der Dinge geringer aus, als man nach dem medialen Overkill der letzten Tage erwarten konnte.

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