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VS NAIPAUL ERHÄLT NOBELPREIS: Ein unbestechlicher Beobachter

Der diesjährige Träger des Literatur-Nobelpreises heißt V.S. Naipaul. Der in England lebende Schriftsteller war schon seit längerem für diese Auszeichnung im Gespräch.

Der in Trinidad geborene britische Schriftsteller V.S. Naipaul ist mit dem Literatur-Nobelpreis 2001 ausgezeichnet worden. Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften teilte in Stockholm mit, Naipaul werde geehrt »für seine Werke, die hellhöriges Erzählen und unbestechliches Beobachten vereinen«. Naipaul sei »ein literarischer Weltenumsegler«. Der 69-Jährige gilt als der führende Schriftsteller in der englischsprachigen Karibik. Der Literatur-Nobelpreis ist mit einer Million Dollar dotiert.

Eigene Schreibweise

Unbeeinflusst von der literarischen Zeitmode und Vorbildern, habe Naipaul die existierenden Genres zu einer eigenen Schreibweise umgeformt, hieß es in der Begründung der Akademie. In seinem Werk hätten die herkömmlichen Abgrenzungen zwischen Fiktion und Sachprosa eine untergeordnete Bedeutung.

Multikultureller Humorist

Vidiadhar Surajprasad Naipaul wurde am 17. August 1932 in Chaguanas auf der Karibik-Insel Trinidad geboren. Seine Vorfahren stammen aus Indien. 1950 nahm Naipaul mit Hilfe eines Stipendiums sein Studium am University College im britischen Oxford auf. Er verlies die Universität mit dem Grad des Bachelor of Arts und wurde für seine Leistungen im Fach Englisch ausgezeichnet. Nach dem Studium war er zunächst als freier Mitarbeiter des Karibikprogramms der BBC in London tätig. Später arbeitete er für das Londoner Magazin »New Statesman«. In dieser Zeit entstand auch sein erster Roman »The Mystic Masseur« (1957), mit dem sich Naipaul den Ruf als Humorist und Schilderer des Volkslebens erwarb.

Naipauls erster größerer Erfolg war das Werk »A House for Mr. Biswas« (deutscher Titel: »Ein Haus für Mr. Biswas«), das 1961 erschien und starke autobiografische Züge trägt. Naipaul beschreibt darin die Gesellschafts Trinidads aus der Perspektive eines Mannes, für den sein Vater Modell gestanden hat. In seinem Meisterwerk »The Enigma of Arrival« beschreibt Naipaul mit scheinbar knappen und zufälligen Beobachtungen den Zusammenbruch der kolonialen englischen Herrscherkultur.

Postkoloniale Literatur

Stoff für seine Werke, zu denen auch Kurzgeschichten und Reportagen gehören, sammelte Naipual auch bei Reisen nach Lateinamerika, Indien und Afrika. Thema in den Werken Naipauls ist immer wieder die Entwurzelung in einer Gesellschaft, die durch den Kolonialismus geprägt ist. Auf Deutsch sind eine Reihe seiner Bücher beim Deutschen Taschenbuchverlag (dtv) in München erschienen sowie bei Kiepenheuer und Witsch in Köln, dem Eichborn-Verlag in Frankfurt sowie Hoffmann und Campe in Hamburg.

Naipaul gilt als Religionskritiker

Für Aufsehen hat Naipauls Einstellung zum Thema Religion gesorgt. Religionen seien für den Schriftsteller eine Geißel der Menschheit, die die Fantasie sowie den Wunsch, zu experimentieren und denken einschränkten.