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Donald Duck Sonderheft: Comics machen nicht blöd

Ab sofort darf bei der Lektüre von Comics auch gelernt werden: Im neuen Donald Duck Sonderheft 197 lernen Kinder die Klassiker der Malerei kennen.

Es ist nur eine Generation her, da haben die Eltern die Comic-Heftchen der Kids genommen und in den Müll geworfen: Die bunten Bildergeschichten verblöden den Nachwuchs doch eh nur. Heutzutage sind die Eltern froh, wenn die Kinder überhaupt noch etwas lesen. Ab sofort darf dabei auch gelernt werden. Im neuen Donald Duck Sonderheft 197 lernen Kinder die Klassiker der Malerei kennen.

Donald Duck, das kennt man ja. Der cholerische Erpel regt sich oft über seinen ungehobelten Nachbarn auf. Und im Nu haben sich die beiden Zankhähne so sehr in der Wolle, dass dabei ganze Straßenzüge zu Bruch gehen. Oder der schwer reiche Onkel Dagobert plant eine geldwerte Expedition und lädt Donald und seine drei Neffen Tick, Trick und Track als billige Erfüllungsgehilfen dazu ein, sich mit auf die waghalsigen Reisen zu begeben. Manchmal verwandelt sich Donald auch in den Superhelden Phantomias, der mit seinem fliegenden Wagen 313 für Ordnung in Entenhausens Straßen sorgt.

In der Heftreihe "Donald Duck Sonderheft", die bereits seit Jahrzehnten erscheint, finden nur die allerbesten Duck-Geschichten eine neue Heimat. Hier wurden etwa die legendären Carl-Barks-Geschichten zuerst veröffentlicht. Auch heute noch, kurz vor Band 200, finden sich im schmalen Heftchen pfiffige Erzählungen wieder, die deutlich über den Niveaupegel der "Micky Maus" oder des "Lustigen Taschenbuches" hinausragen.

Im aktuellen Band 197 machen sich die Verantwortlichen stark für die Bildungslücken der deutschen Kinder, die im leidlich bekannten PISA-Test ja so versagt haben. Die Redaktion des Ehapa-Verlages gab der Autorin der Geschichte "Reise in die Welt der Malerei" deswegen den Auftrag, fünf große Gemälde und Kunstwerke mit in die Story einzubringen, die jedes Kind und jeder Erwachsener kennen sollte. Da geht es um die Mona Lisa von Leonardo da Vinci, um die Nachtwache von Rembrandt, um den Sternenhimmel von Van Gogh, um den Denker von Auguste Rodin und um den Schrei von Edvard Munch. Die Autorin Janet Gilbert lässt die Klassiker einfach kreischend aus dem Museum flüchten: Sie sind es leid, sich Tag für Tag die stümperhaften Kommentare der unwissenden Besucher anzuhören. Tick, Trick und Track versuchen freilich, die Gemälde und Kunstwerke wieder einzufangen und ins Museum zurückzubringen.

Zeichner Vicar, der heute als einer der besten Donald-Künstler überhaupt gilt, hat den roten Faden aufgenommen und sich mit Feuereifer in die Geschichte hineingestürzt. So hat er seine 12-seitige Geschichte noch mit etlichen weiteren Anspielungen auf die Kunst gewürzt. Vor allem ausgewiesene Kunstkenner dürften sich mit Vergnügen auf diese einmalige Geschichte stürzen, um herauszufinden, wie oft sich der Zeichner an den heiligen Klassikern der Kunst vergriffen hat. Dass bei aller Kunstbeflissenheit der Spaß nicht auf der Strecke bleibt, ist natürlich logisch: In fünf weiteren Geschichten dürfen die Ducks auch ganz normale Abenteuer erleben.

Donald Duck Sonderheft 197, 74 Seiten, 2,70 Euro, Ehapa-Verlag, www.ehapa.de

Carsten Scheibe, www.typemania.de

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