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"2046": Auf der Suche nach der verlorenen Liebe

In Wong Kar Wais kunstvollem Liebesmelodram vergnügt sich der Schriftsteller Chow im Hotelzimmer 2046 mit seinen Geliebten, um seine unglückliche Liebe zu vergessen.

Wer gleich allen der derzeit attraktivsten Schauspielerinnen des chinesischen Kinos begegnen will, darf Wong Kar Wais neuen Film "2046" keinesfalls versäumen. Denn in dem kunstvollen Liebesmelodram des Filmemachers aus Hongkong sind sie alle zu sehen: Die im Westen längst bekannte Gong Li, die junge Zhang Ziyi, die erfahrene Maggie Cheung sowie auch Faye Wong und Carina Lau. Sie alle verzaubern in dem Film nicht nur die Zuschauer, sondern auch Tony Leung in der männlichen Hauptrolle.

Leung, der in dem über zweistündigen Streifen Chow Mo-Man heißt und ununterbrochen raucht, ist in der beneidenswerten Lage, mit all den Schönheiten mehr oder weniger intime Beziehungen gehabt zu haben. In einem Hotelzimmer mit der Nummer 2046 schreibt er im Hongkong der 60er Jahre an einer in ferner Zukunft handelnden Liebesgeschichte. Das weckt die Erinnerungen an die eigenen Frauengeschichten. Chow trauert um die vergangene Leidenschaft zu der von Gong Li verkörperten Su, einer außergewöhnlichen Frau. Aber er denkt auch an andere amouröse Begegnungen in einer Flut verschachtelter Rückblenden zurück.

Betörend schöne Bilder malen die Geschichte

Es ist nicht so sehr die etwas wirre Handlung, die "2046" zu einem faszinierenden cineastischen Erlebnis macht. Es sind vielmehr die betörend schönen Bilder, die gefühlvoll inszenierten Stimmungen und die herrliche Opernmusik, die den Film zum Gesamtkunstwerk werden lassen. Wong Kar Wai und seine Kameramänner, zu denen auch der renommierte Christopher Doyle zählt, malen die Geschichte auf die Leinwand, statt sie nur zu zeigen. Mit mehr als zwei Stunden Laufzeit verfügen sie über genügend Zeit, um die einzelnen Handlungslinien zu entfächern und all den schönen Frauen große Auftritte zu ermöglichen.

Der chinesische Filmemacher kennt sich bestens aus in der Kinogeschichte. Oft erinnert "2046" an die Werke von Michelangelo Antonioni, doch auch bei anderen Großen der Filmkunst hat Wong Kar Wai viel gelernt. Dass er selbst ein Meister der Leinwand geworden ist, daran gibt es keinen Zweifel, seit er im Jahr 2000 mit dem Liebes-Melodram "In The Mood For Love" Kritiker und Festival-Jurys zu Begeisterungsstürmen hinriss. Die Dichte dieses auf ein Paar konzentrierten früheren Films erreicht "2046" zwar nicht. Aber wunderbares Kino für Kenner und Genießer hat das Genie aus Hongkong allemal geschaffen.

Wolfgang Hübner/AP / AP
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