"City of God" Erschreckend authentische Kino-Saga


In einem Elendsviertel von Rio de Janeiro wachsen zwei Jungs auf, die ganz verschiedene Wege im Leben gehen. Ein Blick in das Schattenreich der Armut hinter dem Zuckerhut.

In einer rasanten Montage werden rhythmisch Messerklingen gewetzt, Hühner geköpft, gegrillt und verspeist. Doch einem Huhn gelingt es, panisch davon zu flattern, was zu einer fulminanten Verfolgungsjagd führt - quer durch die «City of God» («Stadt Gottes»): Dieses heruntergekommene brasilianische Slum-Viertel wird von zwei gefährlichen Gangs beherrscht, die sich erbarmungslose Machtkämpfe liefern.

In seinem atmosphärisch bestechenden Spielfilm «City of God», der nun in den deutschen Kinos anläuft, zeichnet der brasilianische Regisseur Fernando Meirelles ein erschreckend authentisches Bild vom Leben in den Baracken-Siedlungen am Rande von Rio de Janeiro, wo die Kinder als Analphabeten aufwachsen und keinerlei Perspektive besitzen. Geld, Drogen und Waffen zählen dort mehr als ein Menschenleben.

Beruhend auf einer Romanvorlage

Die brutale und hoffnungslose Geschichte von «City of God» basiert auf dem 600 Seiten starken Roman «Cidade de Deus» des brasilianischen Autors Paulo Lins, der selbst in einem Elendsviertel der Favelas aufwuchs. Mit den Figuren, die er in seinem Buch beschreibt, kam er in Berührung, wenn er nur aus dem Fenster sah. Der Regisseur und Werbefilm-Produzent Meirelles war von der Vielzahl der Charaktere und Storys fasziniert, die das Buch mit seinen rund 300 Figuren in sich birgt. Er entschied sich, bei der Verfilmung die Fülle der verschiedenen in- und gegeneinander verlaufenden Geschichten beizubehalten. Mit der Leinwand-Adaption beauftragte er den brasilianischen Drehbuchautor Bràulio Mantovani.

Krieg rivalisierender Banden

Der Erzähler in «City of God» ist ein schüchterner, junger Fotograf (Alexandre Rodrigues), der davon träumt, dieser zerstörten Welt zu entfliehen. Durch seine Augen schildert Meirelles, wie die Entstehung des Drogenhandels Ende der sechziger Jahre in Rio beginnt und ein kleiner, schießwütiger Junge zu einem gefürchteten Gangführer (Leandro Firmino da Hora) aufsteigt, der mit Drogenhandel und kriminell verordneter Ruhe fast die gesamte Gegend kontrolliert. Sein rabiates Vorgehen stößt auf den Widerstand eines rivalisierenden Gangsters (Matheus Nachtergaele), der ebenfalls seine Bande aufrüstet. Anfang der achtziger Jahre bricht in der «City of God» der Krieg aus.

Improvisationen mit Laiendarstellern

Zum Casting lud der Regisseur rund 2000 Laiendarsteller ein und wählte schließlich 200 Kinder und Jugendliche aus, mit denen er über acht Monate lang vor der Kamera trainierte. Bei der Improvisation der Filmszenen wurden Situationen und Dialoge, welche die jungen Darsteller als nicht wirklichkeitsgetreu empfanden, aus dem Skript gestrichen.

Die Dreharbeiten erfolgten in zwei Siedlungsprojekten, wo ein Drogenbaron vom Hochsicherheitsgefängnis aus dem Team die Bedingungen und Mietpreise für die Drehorte diktierte. Produziert wurde diese Saga von Andrea Barata Ribeiro und Mauricio Andrade Ramos mit Globo Filmes, Lumière, Studio Canal und Wild Bunch. Als ausführender Produzent zeichnet der preisgekrönte brasilianische Regisseur Walter Salles («Central Station») verantwortlich.

Birgit Heidsiek DPA

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