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"Couchgeflüster": Nicht ohne meine "Mamme"

Uma Thurman als durchgeknallte Karrierefrau und Meryl Streep als ihre Therapeutin geraten aneinander. Grund des Konflikts ist natürlich ein Mann. Neu ist die Konstellation: Therapeutin als Mutter mit Sohn als Liebhaber der Patientin.

Sie solle den Sex mit ihrem jungen Lover uneingeschränkt genießen, rät Psychoanalytikerin Dr. Lisa Metzger (Meryl Streep) ihrer Patientin Rafi (Uma Thurman). Ironisch bringt die am 19. Januar anlaufende Komödie "Couchgeflüster" auf den Punkt, warum die Psychiatercouch dem Beichtstuhl in der Kirche überlegen ist: Zwischen Sofakissen lässt es sich bequemer das Herz ausschütten, und ein Analytiker droht nie mit Fegefeuer. Sündigen könnte so schön sein, - wären da nicht Mütter, die von ihren Söhnen das alttestamentarische Programm "Seid fruchtbar und mehret euch" einfordern.

Die Analytikerin ermuntert ihre frisch geschiedene 37-jährige Patientin so lange zur Sinnenfreude, bis sie aus deren Schilderungen heraushört, dass es sich bei ihrem Objekt der Begierde ausgerechnet um Lisas 23-jährigen Sohn David (Bryan Greenberg) handelt. Als jüdische "Mamme" mit Sehnsucht nach vielen jüdischen Enkeln ist Lisa jetzt insgeheim entsetzt. Natürlich - das fordert die Logik einer Komödie - behandelt sie die "Schickse" Rafi weiter, ohne sie aufzuklären. Zerrissen zwischen Über-Ich und mütterlichem Es, zwischen Berufsethos, Sympathie für Rafi und Eifersucht, legt sich Lisa bei einer Kollegin selbst auf die Psychiater-Couch, um die Situation zu verkraften.

Eine zumindest kommerzielle Sünde begeht diese Frauenversteher-Komödie aus Hollywood'scher Produzentensicht, wenn sie die übliche Filmfantasie "reifer Mann - junge Frau" einfach umdreht. Und es sieht lange so aus, als ob der New Yorker Regisseur Ben Younger es schafft, seine unorthodoxe und unaufgeregte Romanze auch von New-York-Klischees frei zu halten. Er inszeniert die Dreier-Komödie mit sicherem Blick für jüdische und kunstbeflissen-urbane Milieus, ohne die Stadtneurotiker-Manierismen eines Woody Allen zu imitieren. Es gibt ultrasmarte Dialoge, aber keinen schicken Zynismus á la "Sex and the City", obwohl Rafi zu jenem Frauentypus gehört, der in der TV-Serie glorifiziert wurde.

Bittersüße Two-Woman-Show

Während sich vor pittoresken Originalschauplätzen zwischen dem unsicheren Maler und der zweiflerischen Karrierefrau eine zärtliche Affäre entwickelt, glänzt vor allem Meryl Streep als unfreiwillige Dritte im Bunde. Wie sie als eulenhafte, Brillen tragende Freudianerin an ihrer kunstgewerblichen Halskette nestelt, wie sie sich während Rafis euphorischer Schilderungen des Penis ihres Sohnes vor Scham am liebsten im Sessel verkriechen würde, - das verrät ein komisches Talent, das sonst viel zu selten gefordert ist. Und die schlaksige Uma Thurman, einst Rachegöttin in "Kill Bill", war nie so umwerfend wie als süße, verletzliche Rafi.

Obwohl die Geschichte aus drei Blickwinkeln erzählt wird, entpuppt sie sich deshalb als östrogenlastige Two-Woman-Show: Eingeklemmt zwischen der dominanten Mama und dem geballten Charme der Freundin, hat der brave David wenig Spielraum. Die Paarkonflikte zwischen dem schlampig-impulsiven, aber einfühlsamen Jungspund und der kultivierten Rafi sind nicht halb so interessant wie der verdeckt geführte Kampf zwischen Mutter und Geliebter, deren biologische Uhr unüberhörbar tickt. Spätestens dann, wenn Lisa sich outet, verliert der amüsante Film seine Würze und enttäuscht mit einem konventionellen Ende mit Prädikat bittersüß.

Birgit Roschy/AP / AP
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