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"Das Haus am See": Ungleichzeitig verliebt

Zwei junge Amerikaner, Alex und Kate, leben gleichzeitig in zwei unterschiedlichen Jahren. Gemeinsamer Bezugspunkt ist ein eigenwilliges Haus am See. Wie können sich Alex und Kate begegegnen?

Die Ärztin Kate lebt im Jahr 2006, der Architekt Alex hingegen im Jahr 2004, und zwar beide zur gleichen Zeit. Wer nun meint, das gehe überhaupt nicht, sollte sich in dem Film "Das Haus am See" davon überzeugen, dass für Drehbuchautoren absolut nichts unmöglich ist, was eine originelle Kinogeschichte verspricht. Denn die Liebesromanze um zwei einsame Seelen, die von Raum und Zeit getrennt sind, kümmert sich nicht weiter um Wahrscheinlichkeit, sondern spielt mit deren Gegenteil. Es ist also eine ganz besondere Geschichte, die der bekannte und vielfach ausgezeichnete argentinische Regisseur Alejandro Agresti in seinem ersten Hollywoodfilm inszeniert hat.

Zumindest Fernostlern dürfte die Handlung nicht unbekannt vorkommen, basiert diese doch auf einem japanischen Film aus dem Jahr 2000. In dem amerikanischen Remake, für das David Auburn die Vorlage schrieb, ist Chicago der Ort der Handlung, dessen architektonische Attraktionen auch oft zu sehen sind. Die Metropole liegt bekanntlich am riesigen Lake Michigan, doch nicht dort wurde von den Filmemachern das titelgebende Haus am See gefunden. Vielmehr wurde eigens für den Film das eigenwillige Glashaus direkt am und über dem Wasser an einem künstlichen See im Naturschutzgebiet von Cook County im US-Bundesstaat Illinois errichtet.

Kosten wurden somit nicht gescheut, um den dritten Hauptdarsteller des Films, also das Haus, gebührend ins Blickfeld zu rücken. Die beiden anderen Hauptdarsteller sind allerdings von einer Güteklasse, die den Aufwand den Produzenten auch gerechtfertigt erscheinen lassen: Nach zwölf Jahren stehen die sympathische Sandra Bullock und der smart-sensible Herzensbrecher Keanu Reeves wieder gemeinsam vor der Kamera.

Freude am melancholischen Spiel der Hauptdarsteller

Bullock und Reeves waren bekanntlich das sensationell erfolgreiche Traumpaar des Action-Hits "Speed", der sie populär und teuer machte. Hatten darin beide wegen der vielen Handlungsturbulenzen kaum Zeit füreinander und waren doch aufeinander angewiesen, so leben sie in "Das Haus am See" weitgehend in zwei verschiedenen Jahren nebeneinander her, um sich natürlich dann doch zu begegnen. Auch wenn der Film diese liebesbedingte Überlistung der Differenz von Zeit und Raum nicht plausibel machen, sondern nur suggerieren kann: Der Betrachter hat seine Freude am zurückhaltenden, stets etwas melancholischen Spiel der beiden amerikanischen Stars.

Aber man glaubt keine Sekunde, dass zwischen beiden das Feuer der Leidenschaft lodert oder auch nur sexuelle Begierde aufflammen könnte. Tatsächlich finden sich Bullock und Reeves privat wie beruflich sehr sympathisch, mehr aber auch nicht. Negativ bedeutsamer ist allerdings die bis zum Ende unglaubwürdig und absurd erscheinende Konstruktion des Parallellebens der beiden Hauptfiguren in unterschiedlichen Jahren. Moderne westliche Zweierbeziehungen sind meist ohnehin schon schwierig genug, da sollte Hollywood aus Japan nicht noch zusätzliche Komplikationen importieren. Gleichwohl bietet "Das Haus am See" Kinostunden, die man nicht bereuen muss.

Wolfgang Hübner/AP