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"Das Mädchen aus dem Wasser": Nymphe strandet im Pool

Nach "The Sixth Sense" und "Signs – Zeichen" gilt Regisseur M. Night Shyamalan als Wundermann in Hollywood. Mit "Das Mädchen aus dem Wasser", der Geschichte einer verirrten Nymphe, geht er allerdings baden.

Wer glücklich einen Swimmingpool sein Eigen nennt, sollte dringend mal nachschauen, ob darin zu nächtlicher Stunde seltsame fremde Frauen herumschwimmen. Der Hausmeister Cleveland Heep jedenfalls, der einen Wohnkomplex in einem Vorort von Philadelphia betreut und zu dessen Aufgaben auch die Pflege des Mieterbades gehört, entdeckt in diesem eines Nachts eine ebenso geheimnisvolle wie verängstigte Frau.

Es handelt sich bei ihr um eine in die Menschwelt verirrte Nymphe mit dem beziehungsreichen Namen Story. Von gefährlichen Monstern und Bestien bedroht, will Story zurück in ihr Nymphenreich. Doch das ist nur möglich mit der tatkräftigen Unterstützung der Mieter des Appartementblocks, in dem Heep seine Dienstleistung verrichtet. Denn das Schicksal der Mieter und ihres Hausmeisters ist mit dem der zwischen zwei Welten gestrandeten Frau aus dem Wasser untrennbar verbunden.

Diese Geschichte, und wie sie endet, erzählt M. Night Shyamalans neuer Film "Das Mädchen aus dem Wasser". Der indischstämmige Amerikaner hat in den letzten Jahren mit Streifen wie "The Sixth Sense", "Signs - Zeichen" und zuletzt "The Village - Das Dorf" große Erfolge gehabt, die zusammen mehr als zwei Milliarden Dollar einspielten. In Hollywood gilt der aus einer Arztfamilie stammende Shyamalan deshalb als Wundermann, der sich nach vier Kinohits in Folge fast alles erlauben kann. Der kreative Filmemacher hat seine neue Arbeit nicht nur inszeniert und produziert, sondern auch das Drehbuch verfasst. Mit einer ganz eigenen Mischung aus Spannung, Dramatik, Emotion und auch ein wenig Humor hat der aus Philadelphia stammende Vater von zwei Töchtern einen unverwechselbaren Stil gefunden. Doch beim fünften Mal ist Shyamalan erstmals gescheitert. Hochmut nach all den Erfolgen könnte der Grund dafür sein.

Überambitioniert statt visionär

Mit "Das Mädchen aus dem Wasser" bediente sich der Regisseur keineswegs aus dem reichen Bestand der Fantasien und Mysterien, sondern versuchte sich ehrgeizig an der Schaffung eines neuen Mythos, der Wasserwesen eine nie zuvor behauptete Bedeutung fürs menschliche Schicksal zuschreibt. Davon kündet gleich zu Beginn des Films eine Stimme in der suggestiven Tonlage sich aufdringlich einschmeichelnder Telefonverkäufer. Was einstimmen soll auf die folgende Geschichte, verstimmt tatsächlich schon da mit allzu hochtrabenden Erklärungen für die Gründe der Existenz einer Nymphe im Swimmingpool.

Paul Giamatti, einer der besten eher unbekannten Hollywood-Darsteller, macht das Mögliche aus seiner Hausmeisterrolle. Bryce Dallas Howard verkörpert die Wasserfrau namens Story und muss fast ununterbrochen verschreckt dreinblicken. Regisseur Shyamalan ist eitel genug, sich selbst in der Rolle eines visionären Schreibers zu präsentieren. Doch was im Kino zu sehen ist, wirkt weder visionär noch faszinierend, sondern völlig überambitioniert. Da hilft es auch nichts, wenn der Filmemacher beteuert: "Ich musste selbst hundertprozentig an diese Story glauben, um sie überzeugend auf die Leinwand zu bringen." Überzeugend ist das eben überhaupt nicht. Shyamalan ist daran gescheitert, einen neuen Mythos mit einer reinen Kopfgeburt zu schaffen: Dieses "Mädchen aus dem Wasser" wäre besser nie aufgetaucht.

Wolfgang Hübner/AP / AP