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"Das Parfum": "Ein sehr geliebtes Buch"

20 Jahre nach seinem Erscheinen wird aus Patrick Süskinds 15 Millionen Mal verkauftem Roman "Das Parfum" endlich ein Kinofilm. Es war ein langer Weg.

Von Bernd Teichmann

Nein, das geht nicht", hat er in einem Interview auf die Frage geantwortet, ob er eigentlich mal Lust habe, etwas nur zum Spaß zu machen. "Ich muss mir zumindest einbilden können, dass es bedeutend ist, was ich da mache. Sonst kriege ich diese Energieleistung nicht zustande. Filmemachen ist unglaublich anstrengend." Man sieht es ihm an. Tom Tykwer wirkt erschöpft, doch sobald er anfängt, über die Bilder der "Parfum"-Dreharbeiten zu reden, ist die Müdigkeit verflogen, die Passion in seinen Gesten, Blicken und Worten bringen den Raum zum Schwingen. Der Mann, der dem deutschen Film vor acht Jahren mit "Lola rennt" eine Frischzellenkur verpasste, liebt das Kino mit jeder Faser seines Körpers.

München an einem sonnigen Frühlingstag, filmtechnisches Studio "Digital Editors". Tykwer sitzt im Halbdunkel an einem Tisch, vor ihm zwei große Computerschirme, einer der zahlreichen Schnittplätze, an denen das bisher aufwendigste Projekt des 40-jährigen Regisseurs in Form gebracht wird: "Das Parfum", die Verfilmung von Patrick Süskinds literarischem Welterfolg, seit seinem Erscheinen 1985 weltweit 15 Millionen Mal verkauft, übersetzt in 42 Sprachen.

Seit fast drei Jahren beschäftigt sich Tykwer mit nichts anderem als der Geschichte um den Pariser Waisenjungen Jean-Baptiste Grenouille, der 1738 im Dreck des Fischmarktes auf die Welt kommt, keinen Körpergeruch, dafür aber den absoluten Geruchssinn besitzt und zum Serienmörder wird, weil er dem ultimativen Duft nachjagt, mit dem er die Macht über die Menschen erlangen will. Tykwer hat am Drehbuch mitgearbeitet, von dem es insgesamt 20 Fassungen gab. Hat, bevor er schließlich den damals 23-jährigen Shakespeare-Mimen Ben Whishaw entdeckte, Hunderte Kandidaten für den Grenouille-Part geprüft, von Leonardo DiCaprio bis Johnny Depp, von Orlando Bloom bis Jude Law, von denen viele vor der Radikalität der morbiden Figur zurückschreckten. Hat insgesamt 75 Tage lang 100 Motive gedreht. Hat die Musik mitkomponiert und mit den Berliner Philharmonikern eingespielt - und sitzt nun am Ton- und Bild-Endschnitt.

Dass es bedeutend ist, was er da macht, muss sich Tykwer nicht erst einbilden. Aus einem der erfolgreichsten deutschsprachigen Bücher aller Zeiten entsteht ein gigantisches Filmwerk - knapp 50 Millionen Euro teuer und exzellent besetzt: Neben Whishaw spielen Dustin Hoffman, Alan Rickman, Karoline Herfurth, Jessica Schwarz und Corinna Harfouch.

Komplette Harmonie zwischen Tykwer und Eichinger

Tykwers Produzent Bernd Eichinger, der dem zögerlichen Süskind erst 2001 die Filmrechte für angeblich zehn Millionen Euro abringen konnte, wollte keinen historischen Thriller, sondern die Geschichte über die Psychologie Grenouilles erarbeiten. "Das ist ein unglaublicher Spagat, der Süskind in dem Buch gelungen ist", erklärt Tykwer. "Aus so einer düsteren, abgründigen und fremdartigen Figur einen Helden zu machen, mit dem die Zuschauer mitfiebern." Darin waren sich die vermeintlichen Antipoden des deutschen Kinos sofort einig: Eichinger, der kommerzielle Hit-Fabrikant, Tykwer, der kompromisslose Schöpfer sperriger Psychodramen wie "Winterschläfer" oder "Der Krieger und die Kaiserin". Kein Dauergewitter also zwischen dem Regisseur und seinem natürlichen Feind, dem Produzenten. "Da kann ich leider mit keiner Anekdote dienen", erzählt Tykwer. "Wir waren so konform in unseren Vorstellungen, dass wir uns oft gesagt haben: Können wir uns nicht mal einen Konflikt ausdenken? Das erwartet doch irgendwie jeder."

Der Film soll nach dem Abspann im Kopf weitergehen

Ebenso, dass Tom Tykwer das Kunststück gelingt, die sehr spezifische Atmosphäre des Romans auf die Leinwand zu transportieren. "Das ist ja nicht nur ein berühmtes, sondern vor allem ein sehr geliebtes Buch", sagt er, "zu dem viele Menschen ein intimes Verhältnis haben, das ihnen persönlich wichtig ist und das sie geprägt hat." Genau diese Gefühle will er auch wecken. "Ich denke, die Filme, die uns zu Herzen gehen, sind die, die nach dem Abspann weitergehen im Kopf." Ab dem 14. September werden wir in unseren Kinos sehen, ob sein Wunsch in Erfüllung geht.

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