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"Das Schmuckstück": Das Patriarchat auf dem Kopf

Mit seinem neuesten Film "Das Schmuckstück" ist François Ozon ein kleines Juwel gelungen: Eine leichtfüßige und unterhaltsame Komödie, die gleichzeitig eine Hommage an Catherine Deneuve ist.

Suzanne Pujol (Catherine Deneuve) führt ein Luxusleben: Sie kümmert sich um das Haus, joggt durch den Wald und schreibt Gedichte. Ein unspektakuläres und gewissermaßen stiefmütterliches Dasein, denn ihre Kinder sind groß und ihr Macho-Mann Robert mit der Leitung seiner Regenschirmfabrik und mit seiner Sekretärin beschäftigt. Als Robert einige Zeit ins Krankenhaus muss, ändert sich ihr Leben als Anhängsel und schlichtes "Schmuckstück" schlagartig: Suzanne muss die Geschäfte übernehmen und aus ihrem Schattendasein treten. Dabei zeigt sie, dass sie mehr Unternehmergeist besitzt als ihr Mann und stellt das Patriarchat auf den Kopf.

Der Film ist kein klassischer Emanzipationsfilm, der die Geschichte einer Frau erzählt, die ihre Rolle der biederen Hausfrau gegen die einer erfolgreichen Powerfrau eintauscht. Ozon hat aus dem gleichnamigen Drama "Das Schmuckstück" ("Potiche" im Original) hingegen eine herrliche Komödie gezaubert, die er im Frankreich der 1970er Jahre spielen lässt.

Dass Ozon die Geschichte rund 30 Jahre zurückversetzt, verleiht dem Film seinen unterhaltsamen und leichtfüßigen Charakter und vermeidet, dass er zu einem reinen Politikum über die Rolle der Frauen in Gesellschaft und Politik wird - ein Thema, das nicht nur damals aktuell war. "Die Frauen sind zwar heutzutage stärker in der Politik und in den Chefetagen vertreten, aber viele Dinge und Ansichten haben sich in den letzen dreißig Jahren nicht geändert", erklärte Ozon in einem Interview.

Aber Ozon wäre nicht Ozon, wenn er die Geschichte nicht teilweise ins Absurde und Kitschige geführt hätte, immer an der richtigen Stelle und so dosiert, dass keiner der Protagonisten lächerlich wirkt. Wie bei "8 Frauen" entpuppt sich auch "Das Schmuckstück" als eine unerwartete Geschichte menschlicher Beziehungen und Verflechtungen. Denn Suzanne war früher alles andere als prüde und bieder. So stellt sich heraus, dass die Großbürgerliche mit Maurice Babin (Gérard Depardieu), dem kommunistischen Gewerkschaftler der Firma, einst eine kurze Affäre hatte.

Ozon hat seinen Film fast schon auf Catherine Deneuve hin zugeschnitten und ihr so gewisserweise eine Hommage erwiesen. Die Grande Dame des französischen Kinos glänzt in ihrer Rolle, wie auch die anderen Schauspieler, unter anderem Fabrice Luchini, der den unbeugsamen Patriarchen spielt.

Auch "Das Schmuckstück" kommt wie andere Ozonwerke nicht ohne musikalischen Touch aus. "C'est beau la vie" (Das Leben ist schön), singt Catherine Deneuve am Ende des Films. Man kann ihre Lebensfreude verstehen.

Sabine Glaubitz, DPA / DPA