HOME

"Der Mandant"-Kinostart: Matthew McConaughey kann auch anders

Perfektes Kino: "Der Mandant" ist ein großartiger Gerichtsthriller alter Schule. Jedes Detail stimmt. Und Matthew McConaughey ist so gut wie nie zuvor.

Von Sophie Albers

Ein Mal zieht er das Hemd dann doch aus. Aber er wurde auch angeschossen. Da darf er. Matthew McConaughey, bisher vor allem bekannt als Mister ohne Hemd in Filmen ohne Tiefgang, hat ein Charakterdrama gedreht. Und "Der Mandant" ist sein bester Film seit... Es ist sein bisher bester Film. Wenn man mehr sehen möchte als den wohltrainierten Oberkörper des entspannten Texaners.

In "Der Mandant" darf McConaughey sich nur zu Beginn entspannen. Sein Mick Haller ist Strafverteidiger auf der schmierigen Ebene des Rechtssystems von Kalifornien. Ein dicker Lincoln mit Chauffeur dient ihm als Büro, wenn er durch das katzengoldleuchtende Los Angeles braust, um mal mehr, mal weniger unschuldige Mandanten rauszuhauen. Hauptsache der Umschlag, der ihm zugesteckt wird, ist dick genug.

Und dann verliert er die Kontrolle

Mit etwas Wohlwollen kann man Haller als Schlitzohr bezeichnen, das die Lücken des Systems kennt und alles mit hindurchzieht, was passt. Dem Urteil eines objektiven Blicks stellt sich dieser geschniegelte Mann, der alles unter Kontrolle zu haben glaubt, gar nicht erst. Vielleicht deshalb ist auch die Ehe mit seiner coolen Kollegin (umwerfend: Marisa Tomei) kaputt gegangen.

In diese auf fragwürdige Art und Weise heile Welt bricht eines Tages ein neuer Mandant, der ganz anders ist, als die Menschen, mit denen es Haller normalerweise zu tun hat. Louis Roulet (zuweilen beängstigend intensiv: Ryan Phillippe) ist ein junger Mann aus reichem Hause. Einer, der von Mamas Geld lebt, der Golf spielt und der nach einer Diskonacht - ja, in diesem Film muss der Club noch so heißen - eine junge Frau fast zu Tode geprügelt haben soll.

Haller übernimmt, auch wenn der aalglatte Roulet ihm und seinem Privatdetektiv, der zugleich sein bester Freund ist (William H. Macy), Bauchgrimmen bereitet. Irgendetwas stimmt hier nicht. Bis auf den Preis. Nun muss Haller offenbar das erste Mal in seinem Leben erfahren, wie es ist, die Kontrolle zu verlieren.

Das Licht, der Beat, die Gesichter

Mehr sei nicht verraten über diese wirklich gut gelungene Verfilmung von Michael Connellys gleichnamigem Justizthriller. Das Licht im Gerichtssaal, der funky Beat aus den Boxen des Autoradios, die Schicksale in den Gesichtern sowie die Geschichte, die sich vor ihnen entfaltet: "Der Mandant" hat alles richtig gemacht. Und Matthew McConaughey ist als Haller so überzeugend, dass es kaum noch auffällt, als er schließlich anfängt, sein Hemd aufzuknöpfen.

Wenn es denn unbedingt sein muss.