Im Jahr 1943, mitten im Zweiten Weltkrieg, muss die Wehrmacht an der Ostfront schwere Verluste hinnehmen. In dieser Situation bekommen Kommandant Philip Gerkens (David Schütter) und seine Männer, die Besatzung eines Panzers des Typs "Tiger", einen Spezialauftrag.
Auf eigene Faust müssen sie einen Oberst – zufällig einen alten Freund von Gerkens – finden. Der Kommandant ahnt nicht, dass die Mission für ihn in Wahrheit eine Reise zu seinen eigenen Dämonen und Traumata bedeuten wird, die sich in den Kriegsjahren angesammelt haben.
Nummer eins in den Amazon-Charts
Im September kam die deutsch-tschechische Produktion "Der Tiger" in ausgewählte Kinos, seit Anfang Januar ist der Film auf Amazon Prime Video zu sehen. Und das mit großem Erfolg: In den weltweiten Charts der Streaming-Plattform liegt er ganz vorne, noch vor der Neuauflage des Klassikers "Die Nackte Kanone".
Unter anderem in Ägypten, Griechenland, Indonesien und den Vereinigten Arabischen Emiraten wird aktuell kein anderer Film auf Amazon Prime häufiger gestreamt. Kurios allerdings: In Deutschland hat der Actionstreifen "Guns Up" den Kriegsfilm überholt.
Wobei, ein klassischer Kriegsfilm ist "Der Tiger" nicht, eher ein Psychodrama. Es geht um die Ängste und das Leid der Soldaten, aber auch um ihre Gräueltaten. Kurz vor seinem Tod erinnert sich ein Soldat an den schönsten Sommer seines Lebens, vor nur wenigen Jahren, und stellt bitter fest: "Danach war nur noch Krieg."
Regisseur Dennis Gansel hat sich bereits in seinen Filmen "Napola" und "Die Welle" mit den Auswirkungen faschistischer Strukturen auf junge Menschen beschäftigt. Sein neuer Film beruht auf den Geschichten seines Großvaters und dessen besten Freundes, der selbst im Zweiten Weltkrieg Kommandant eines Tiger-Panzers war.
Hat "Der Tiger" Chancen bei den Oscars?
Als erste deutsche Amazon-Produktion kam "Der Tiger" vor seiner Veröffentlichung auf der Plattform auch auf die Kinoleinwand – und ist somit für das Oscar-Rennen zugelassen. Nach dem Streaming-Erfolg könnte der Film auch zu einem Kandidaten auf einen oder mehrere Awards bei der Verleihung am 16. März werden. Die Nominierungen werden am 22. Januar bekanntgegeben.
Deutsche (Anti-)Kriegsfilme sind bei der Academy beliebt, zuletzt gab es 2023 vier Oscars für das Drama "Im Westen nichts Neues" von Edward Berger – unter anderem für den besten internationalen Film. Ingesamt war die Verfilmung des Romans von Erich Maria Remarque in neun Kategorien nominiert.
Parallelen zu "Das Boot"
Und ein weiterer Faktor könnte dem internationalen Publikum sowie letztlich eventuell auch der Jury den Film schmackhaft gemacht haben: der Titel. Während im Deutschen der Tiger-Panzer als Namensgeber fungiert, heißt der Film in der internationalen Version den Titel "The Tank", also: "Der Panzer".
Den einen oder anderen könnte das an den Klassiker "Das Boot" (1981) von Wolfgang Petersen erinnern – ebenfalls ein deutscher Film über Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg und für sechs Oscars nominiert.