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"Die Bluthochzeit": Wild West in der Eifel

Eine verdorbene Vorspeise ist in dieser Comicverfilmung Ursache für einen grausamen Rachefeldzug. "Die Bluthochzeit" ist ein abgedrehter Genre-Mix, der manchmal etwas über das Ziel hinaus schießt.

Der Krabbencocktail sollte der Beginn eines opulenten Hochzeitsmahls sein, doch er ist der Anfang einer blutigen Tragödie. Denn während der neureiche Walzer (Armin Rohde) die Krabben in seinen gierigen Schlund hineinwirft, rümpfen seine Gäste die Nase - die Vorspeise ist verdorben. Walzer bekommt einen Wutanfall und begießt die Braut mit Rotwein. Dass er seinem Sohn Mark (Arne Lenk) und dessen Braut Sophie (Lisa Maria Potthoff) so den schönsten Tag im Leben ruiniert, ist ihm völlig egal.

Gegen den dafür verantwortlichen Küchenchef Berger (Uwe Ochsenknecht) führt Walzer nun einen Rachefeldzug. Er weigert sich zu zahlen und befiehlt den Aufbruch - bei dem man allerdings die Braut und deren Schwiegermutter vergisst. Jetzt gilt es, die Frauen zurückzuerobern: Wild West in der Eifel.

Wie in einer altgriechischen Tragödie

Regisseur Dominique Derudderes Film wirkt wie eine moderne Inszenierung von Heinrich Kleists Kohlhaas. In "Die Bluthochzeit" tritt nicht der bestohlene Pferdehändler gegen den Rest der Welt, sondern der enttäuschte Koch gegen den diktatorischen Egomanen und seine Schergen an. Obwohl Deruddere einen belgischen Comic verfilmte, hat die Geschichte etwas Klassisches, das auch an altgriechische Tragödien erinnert. Ähnlich simpel ist die Handlung: Um die Frauen zurück zu holen, versuchen die Krieger die feindliche Burg zu stürmen.

Rohde glänzend aufgelegt

Als Krieger sieht sich auch Walzer. Und Armin Rohde geht in dieser Rolle auf. Wie schon in "St. Pauli Nacht", wo er einen durchgeknallten Postboten spielte, nimmt man dem im Leben so fröhlichen Schauspieler den Psychopathen ab. Mal mit irrem Lächeln, dann mit absoluter Entschlossenheit ruiniert er als Walzer die Hochzeit und wirkt dabei stets, als sei er im Recht. Ochsenknechts Rolle ist ruhiger, anspruchsvoller zu spielen. Doch Ochsenknecht macht aus diesem zwiegespaltenen Charakter wenig. Sein Koch Berger schaut mit großen traurigen Augen in die Welt, sieht dabei aus wie sein Rottweilerrüde Riesling. Wenn es zur Sache geht, wirkt er völlig überzeichnet. Und zur Sache geht es immer wieder.

Denn Berger, sein Hilfskoch und der Kellner bewaffnen sich ebenfalls. Die Eskalationsspirale dreht sich immer weiter, ohne dass beide Seiten die Entwicklung so wollen. Blöder Zufall folgt auf blöden Zufall, Bauchschuss auf Bauchschuss, und keiner fühlt sich verantwortlich. Das aus diesem Plot kein schlichte Kalauer oder ein schlechtes Drama wird, ist Rohdes Leistung zu verdanken.

Den Comic-Ursprung sieht man der "Bluthochzeit" an, obwohl die Macher die drastischsten Szenen herausgelassen haben. Komödiantisches folgt schnell auf Blutiges. Im Gegensatz zur Vorlage sterben aber keine Menschen, was beim Einsatz von Handgranaten und Jagdflinten einem Wunder gleichkommt.

Abgedrehter Genre-Mix

Entstanden ist ein unterhaltsamer, ziemlich abgedrehter Genre-Mix, der noch viel besser wäre, wenn Regisseur Deruddere nicht zahllose Handlungsstränge verfolgen würde: Hilfskoch und Kellnerin verarbeiten den Tod ihrer Eltern, Walzers Tochter liebt gegen den Willen ihres Vaters seinen Angestellten, die Ehe von Sophies Eltern verliert an Schwung und so weiter. Diese kleineren Rollen sind eher störendes Beiwerk, unnötiges psychologisches Spiel, da es doch nur um den Koch, den Kohlhaas aus der Küche, und den Möchtegern-Feldherren Walzer geht. Im Western wäre das Problem mit einem großen Shoot-Down geklärt worden, aber in der Eifel ticken eben nicht nur die Uhren anders.

Hauke Friederichs